Medienmacher
Die geheimnisvollen TV-Pläne eines Zeitungshauses

Der Verlag M. DuMont Schauberg setzt auf Lokalfernsehen. Pro Sieben Sat.1 profitiert von exzellenten Kontakten zur bayerischen Staatskanzlei. Ein Buchverlag gibt auf. Und Burdas „Superillu“ übt sich im Text-Recycling.
  • 0

HamburgGemeinhin gilt lokales Ballungsraumfernsehen als schwieriges, unattraktives Geschäft. Doch beim Kölner Zeitungshaus M. DuMont Schauberg (MDS) sieht man das anders. Am 5. Januar startete in der Domstadt der MDS-Sender Köln TV, der mit den verlagseigenen Blättern „Express“ und „Kölner Stadtanzeiger“ eng zusammenarbeitet und Nachfolgekanal des Ende 2014 verschiedenen Center TV Köln ist. Ähnlich Pläne gibt es offenbar für Berlin, wo MDS der Berliner Verlag („Berliner Zeitung“, „Berliner Kurier“) gehört. In Branchenkreisen heißt es, das Zeitungshaus habe mit dem Lokalsender TV Berlin über einen Einstieg gesprochen – allerdings erfolglos. Mit einem weiteren Kleinstsender der Hauptstadt habe es ebenfalls Gespräche gegeben, die zu nichts führten. Mit einem dritten TV-Kanal liefen derzeit hingegen recht aussichtsreiche Verhandlungen.

Eine MDS-Sprecherin sagt jedoch, der Berliner Verlag verfolge „keine konkreten TV-Pläne“. Sie fügt aber auch hinzu, es gebe Überlegungen, „das Konzept von Köln TV auf andere Standorte auszudehnen“. Die Frage ist nur, auf welche. Im sachsen-anhaltinischen Halle, dort verlegt MDS die „Mitteldeutsche Zeitung“, betreibt der Verlag mit TV Halle bereits einen Fernsehsender. Die „Hamburger Morgenpost“, die MDS ebenfalls gehört, ist hinter dem „Hamburger Abendblatt“ der Mediengruppe Funke und Axel SpringersBild Hamburg“ nur die Nummer drei in der Hansestadt. Auf dieser Basis lässt sich kein mit Köln vergleichbarer Medienverbund aufbauen.

Bleibt eigentlich nur die Hauptstadt. Dort ist MDS außer am Berliner Verlag auch an der Hörfunkstation Berliner Rundfunk 91,4 beteiligt. Und zum Kölner Modell des Verlags gehört es auch Werbekombis über alle Mediengattungen hinweg – einschließlich Radio – anzubieten.

*

Es ist mal gerade fünf Wochen her, da war an dieser Stelle zu lesen, dass die regionale Werbung bei überregionalen TV-Sendern vor dem Aus stehe. Zwar hatte die Sendergruppe Pro Sieben Sat.1 erst Mitte Dezember vor dem Bundesverwaltungsgericht die Erlaubnis zur Ausstrahlung regionaler Reklame erstritten. Doch die Bundesländer wollten dieses Plazet mit Hilfe einer eindeutigen Regelung im 17. Rundfunkänderungsstaatsvertrag gleich wieder kassieren, um die von regionaler Werbung abhängigen Regional- und Lokalzeitungen zu schützen.

Wollten, weil Bayern den anderen 15 Bundesländern völlig überraschend mit seinem Veto einen Strich durch die Rechnung machte.  Offiziell meldeten die Bajuwaren vor der Verabschiedung des Gesetzeswerks am Donnerstag durch die Länderministerpräsidenten weiteren Beratungsbedarf an. Theoretisch könnte also eine entsprechende Regelung in den 18. Rundfunkänderungsstaatsvertrag aufgenommen werden. „Dazu wird es aber nicht kommen“, sagt ein Medienpolitiker aus einem der 15 Bundesländer, die regionale TV-Werbung verbieten wollen. „Die Sender werden die Zeit nutzen, um Fakten zu schaffen.“

Tatsächlich hatte Pro Sieben Sat.1 am Dienstag regionale Vermarktungskooperationen in Bayern bekanntgegeben und am Mittwoch verkündet, in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Hessen mit dem Kabelnetzbetreiber Unity Media bei regionaler Werbung zusammenarbeiten zu wollen. Der in Unterföhring bei München ansässige TV-Konzern verfügt übrigens über beste Kontakte in die bayerische Staatskanzlei.  Dem Beirat von Pro Sieben Sat.1 steht kein Geringerer vor als der ehemalige bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber vor.

Seite 1:

Die geheimnisvollen TV-Pläne eines Zeitungshauses

Seite 2:

„Superillu“ schreibt Interview aus dem „Zeit Magazin“ zusammen

Kommentare zu " Medienmacher: Die geheimnisvollen TV-Pläne eines Zeitungshauses"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%