Medienmacher
Diekmann macht Karriere als Leiche

Ein „Bild“-Special: Der Noch-„Bild“-Chef versucht sich als Schauspieler. Warum die Veränderung des Kai Diekmann mit einer Beförderung nichts zu tun hat. „Bild“-Geschäftsführerin Donata Hopfen nimmt sich eine Auszeit.
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HamburgWie ganz Medien-Deutschland seit Donnerstag weiß, wird am 1. Januar 2016 eine Ära enden. Dann tritt nach exakt 15 Jahren Kai Diekmann als Chefredakteur der „Bild“-Zeitung ab, um Platz für seine Nachfolgerin Tanit Koch zu machen. Neun Tage später könnte allerdings eine neue Ära beginnen, nämlich die des Schauspielers Kai Diekmann. Am 10. Januar wird er sich in dieser Eigenschaft der Öffentlichkeit präsentieren – und zwar auf einer der größten Bühnen, die das deutsche Fernsehen zu bieten hat.

Wie der zuständige NDR auf Anfrage bestätigt, wird Diekmann in der Folge „Spielverderber“ des „Tatorts“ mitspielen. Zugegeben, die Rolle, die der Journalist übernommen hat, erfordert nur sehr begrenztes schauspielerisches Talent. Diekmann mimt eine Leiche. Er tut dies an der Seite einer Dame, die in der deutschen Medienszene ebenfalls keine Unbekannte ist. Maria Furtwängler ist in derselben „Tatort“-Folge als Hauptkommissarin Charlotte Lindholm zu sehen. Im richtigen Leben ist sie die Gattin von Verleger Hubert Burda.

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Die Bewertung von Diekmanns Rückzug aus der Chefredaktion der „Bild“-Zeitung fällt in den Medien recht eindeutig aus. Der noch amtierende „Bild“-Chef rücke „eine Etage höher“, schreibt Spiegel Online. Der Nachrichtensender n-tv glaubt ebenfalls, dass der Boulevardjournalist „befördert“ werde. Und gleich in mehreren Mediendiensten ist davon die Rede, dass Diekmann künftig der „Über-Herausgeber“ bei Axel Springers „Bild“-Gruppe sei.

Aber stimmt das überhaupt? Gesamtherausgeber von „Bild“, Bild.de, „Bild am Sonntag“ und des Berliner Boulevardblatts „BZ“ ist Diekmann längst. Neu ist lediglich, dass die Chefredakteure der Gruppe künftig an ihn berichten. Allerdings ist dieser Kompetenzzuwachs weitaus weniger bedeutsam, als mancher meint. Diekmann ist schon seit Jahren Spiritus Rector von Springers roter Gruppe. In dieser Eigenschaft hat er, auch ganze ohne offizielle Personalverantwortung, seine Favoriten an die Schaltstellen der ihm als Herausgeber anvertrauten Titel gehievt.

Das einzige, was sich am 1. Januar 2016 de facto ändert, ist, dass Diekmann nicht mehr Chefredakteur der „Bild“-Zeitung sein wird. Darin eine „Beförderung“ zu sehen, ist schon eine ziemlich gewagte Interpretation der Personalpolitik des Berliner Medienhauses. Im Übrigen mag es ja durchaus richtig sein, dass Diekmann nach 15 Jahren in der Chefredaktion keine Lust mehr auf die Front am „Bild“-Balken hat. Er tanzt bereits jetzt, ob im Silicon Valley oder in Südkorea, auf ganz anderen Hochzeiten.

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