Medienmacher
Ein Fake im „Literatur-Spiegel“

Sascha Lobo lässt eine kleine Bombe platzen. Und bei Axel Springer fallen mit Verweis auf die schwierige Situation auf dem Anzeigenmarkt die offiziellen Weihnachtsfeiern aus.

HamburgDiesen Freitag wird um 10 Uhr auf dem Stand des „Spiegel“ auf der Frankfurter Buchmesse eine kleine Bombe platzen. Der Publizist Sascha Lobo wird verkünden, dass es den Roman „Cybris“ der New Yorker Autorin Carol Felt, in dem es um das digitale Leben geht und den er in der Erstausgabe des „Literatur Spiegel“, der neuen Beilage des Nachrichtenmagazins, auf einer Doppelseite hymnisch gefeiert hat, gar nicht gibt. Nicht einmal die Schriftstellerin existiert. Lobo hat sich alles nur ausgedacht.

Nun hat der Digitalexperte aus Berlin nicht etwa dem „Literatur Spiegel“ etwas untergejubelt. Die Aktion ging mit Wissen und Unterstützung des verantwortlichen Literarturredakteurs Volker Weidermann über die Bühne. Er und Lobo ließen gar ein Video drehen, das zeigt wie die beiden den angeblichen Roman diskutieren.

Lobo will mit der Aktion zeigen, dass selbst hanebüchener Blödsinn als solcher nicht weiter auffällt, sobald er in einem etablierten seriösen Medium erscheint. Wenn man so will, ist der „Cybris“-Hoax für ihn ein Stück Medienkritik. Dass Weidermann, bei dem „Cybris“-Streitgespräch mit seinem Rezensenten mitgewirkt hat, macht die Sache noch glaubwürdiger. Schließlich ist der „Spiegel“-Mann gerade erst vom ZDF mit der Moderation der Neuauflage des „Literarischen Quartetts“ geadelt worden, durch das einst der legendäre Marcel Reich-Ranicki führte.

Für Weidermann ist es nicht ohne Risiko, gleich in der ersten Ausgabe seiner Literatur-Beilage mit einem Fake aufzuwarten. Es ist ja tatsächlich so, dass große Medienmarken von der ihnen unterstellten Glaubwürdigkeit leben.

Die Frage ist allerdings, ob Lobos These stimmt, dass man in einem Umfeld, wie dem des „Literatur Spiegel“ mit einer solchen Fälschung zumindest eine Zeitlang durchkommt. Einigen Lesern, die sich bei Twitter zu Wort meldeten, ist nämlich durchaus aufgefallen, dass mit der Rezension des Bloggers etwas nicht stimmte. Im Prinzip war das auch nicht schwer.

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Warum diese Zurückhaltung?

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