Medienmacher
Entertainer Gottschalk macht in Journalismus

Spiegel TV entwickelt einen Quartalsrückblick für den blondgelockten Showmaster, der bei RTL laufen soll. Und „Welt Online“ lässt Nutzerkommentare neuerdings nicht mehr von Redakteuren, sondern von einer Software prüfen.
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HamburgEs gab Zeiten, da stand Spiegel TV nicht nur für Journalismus, sondern auch für Unterhaltung. Besonders eng verbunden war der Fernsehableger des Hamburger Nachrichtenmagazins mit dem Moderator Johannes B. Kerner, dessen gleichnamige Show Spiegel TV knapp 14 Jahre – von Anfang 1998 bis Ende 2011 – zunächst für das ZDF und zuletzt für Sat. 1 produzierte. Auch mit Markus Lanz, gewissermaßen Kerners Nachfolger beim ZDF, war Spiegel TV eng verbandelt. Dessen Show „Lanz kocht“, die von 2008 bis 2012 im Zweiten lief, gehörte zum Portfolio der Produktionsfirma.

Als innerhalb nur eines Jahres sowohl „Johannes B. Kerner“ als auch „Lanz kocht“ eingestellt wurden, geriet die zuständige Spiegel-TV-Tochter Spiegel TV Entertainment in eine tiefe Krise. Allein nach dem Aus von „Johannes B. Kerner“ mussten etwa 40 Mitarbeiter gehen.

Nun allerdings arbeitet wieder ein ganz Großer der Unterhaltungsbranche mit Spiegel TV zusammen. Wie es in Unternehmenskreisen heißt, entwickelt die Firma ein neues Format für Thomas Gottschalk, dessen Pilotsendung noch vor der Sommerpause bei RTL gezeigt werden könnte. Dem Vernehmen nach bat der Kölner Privatsender, bei dem bereits die Gottschalk-Shows „Back to School – Gottschalks großes Klassentreffen“ und „Die 2 – Gottschalk und Jauch gegen alle“ laufen, Spiegel TV an einem Pitch für das neue Format teilzunehmen. Den gewannen die Hamburger. Grünes Licht gibt es für das Projekt von Senderseite indes noch nicht.

Wie es in Senderkreisen heißt, handelt es sich bei dem Vorhaben um ein „Gottschalk-untypisches Format“. Konkret soll der Showmaster eine Sendung moderieren, die so etwas wie ein Quartalsrückblick ist und journalistische Magazinbeiträge ebenso enthält wie Gespräche mit Studiogästen. Dementsprechend soll das Format wohl viermal im Jahr laufen. Im Gespräch ist ein Primetime-Sendeplatz am Wochenende. Gut möglich, dass die neue Gottschalk-Sendung sonntags um 20:15 Uhr laufen wird. Sie soll live aus Berlin gesendet werden. Derzeit sucht Spiegel TV in der Hauptstadt nach einer geeigneten Location.

Wo die Produktionsfirma das Gottschalk-Format genau aufhängen wird, ist noch offen. Der Unterhaltungsableger Spiegel TV Infotainment ist für das Projekt keineswegs gesetzt. Es sei zu journalistisch, um zu dem einstigen Kerner-Produzenten zu passen, heißt es in Unternehmenskreisen.

Offiziell hält sich die Spiegel-Gruppe bedeckt: „RTL und Spiegel TV sprechen über neue Ideen, die wir aber nicht kommentieren möchten, solange es noch keine feste Verabredung gibt“, sagt eine Unternehmenssprecherin auf Anfrage. Ein RTL-Sprecher äußert sich nahezu wortgleich.
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