Medienmacher
Hoffen auf das Silicon Valley

Wen sich die DuMont Mediengruppe so als Mitgesellschafter ihrer neuen Newsroom Holding vorstellen kann. Und warum Zeitschriftenhäuser aus Hamburg im VDZ nur noch die zweite Geige spielen.
  • 0

HamburgGeahnt haben es fast alle. Dennoch war der Schock groß, als die DuMont Mediengruppe am Donnerstag verkündete, ihre Hauptstadtblätter, die Abonnementzeitung „Berliner Zeitung“ und das Boulevardblatt „Berliner Kurier“, samt ihrer Digitalangebote künftig in der neugegründeten Berliner Newsroom GmbH erscheinen zu lassen. Die 160 redaktionellen Mitarbeiter beider Blätter müssen sich auf die nur 110 Arbeitsplätze der neuen Gesellschaft bewerben. Dass dies zu Unmut unter den Beschäftigten führt, ist klar. Wohl um einen möglichen Shitstorm zu vermeiden, hat der Verlag die Kommentarfunktion unter dem Stück „In eigener Sache“, in dem die Maßnahmen aus DuMont-Sicht erklärt werden, in den Online-Ausgaben von „Berliner Zeitung“ und „Berliner Kurier“ abgeschaltet.

Der Text ist identisch mit einer Presseerklärung, die DuMont bereits am Donnerstag veröffentlichte. Sie enthält viel PR-Prosa, aber auch einen interessanten Punkt, der in der Berichterstattung bisher kaum berücksichtigt wurde: Der Verlag habe beschlossen, „eine neue Gesellschaft zu gründen, die Berliner Newsroom GmbH, an der sich über eine Zwischenholding neben der DuMont Mediengruppe auch digitale Experten als Gesellschafter beteiligen können“, heißt es dort. Eine Recherche im Handelsregister ergibt, dass die Zwischenholding als Newsroom Holding GmbH & Co. KG firmiert und ihren Sitz in Köln hat. Ihre bislang einzige Tochter ist die Berliner Newsroom GmbH, deren juristischer Sitz ebenfalls Köln ist. Da für eine einzige Tochtergesellschaft die Gründung einer Holding nicht erforderlich wäre, liegt die Vermutung nahe, dass es demnächst wohl auch eine Kölner Newsroom Holding GmbH gibt. Dorthin könnten – in Anlehnung an die Umstrukturierung in Berlin – die Redakteure der Abozeitung „Kölner Stadt-Anzeiger“ und des Boulevardblatts „Express“ verschoben werden. Allerdings erklärt ein Unternehmenssprecher auf Anfrage, dass es derartige Pläne nicht gebe.

Aber noch aus einem anderen Grund führt die Spur der Zwischenholding nach Köln. Zwar mag der Sprecher nicht sagen, wer die „digitalen Experten“ sind, die sich an ihr beteiligen sollen. In Unternehmenskreisen heißt es jedoch, dass man dabei sowohl an deutsche Start-ups, aber auch an namhafte Internet-Firmen aus dem Silicon Valley denke. Wie realistisch es ist, dass sich Google oder Facebook an einer vergleichsweise kleinen deutschen Zeitungsholding beteiligen, sei dahingestellt. Fakt ist aber, dass DuMont zumindest mit Google am Standort Köln bereits kooperiert. Der Verlag nimmt mit dem dort erscheinenden „Express“ am Google-News-Lab-Fellowship-Programm teil, in dessen Rahmen Verlagsmitarbeiter mit neuen digitalen Geschäftsmodellen vertraut gemacht werden. Das Programm ist Teil von Googles Digital News Initiative, mit der der Internet-Riese gut Wetter bei Verlagen machen will und für die er 150 Millionen Euro bereitgestellt hat.

DuMont hat übrigens in der Bewertung der Google-Initiative binnen Jahresfrist einen 180-Grad-Schwenk vollzogen. Als „Windowdressing der allerfeinsten Sorte“ schmähte sie 2015 der Aufsichtsratsvorsitzende des Verlags Christian DuMont Schüttte: „Jedem muss die Gefahr bewusst sein, sich hier in weitere Abhängigkeit zu begeben und das gemeinsame Vorgehen gegen Google zu hinterwandern“, sagte er damals. In Sachen Google ist DuMont Schütte immer mal wieder für steile Thesen gut. So prophezeite er 2007: „In zehn Jahren ist Google tot.“

***

Kommentare zu " Medienmacher: Hoffen auf das Silicon Valley"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%