Medienmacher
Killt der Mindestlohn Zeitungsausgaben?

Die Funke-Gruppe sorgt sich um ihre ostdeutschen Blätter. M. DuMont Schauberg hat Probleme mit einer Übernahme. Anne Will winkt mehr Geld. Und „FAZ“-Literaturkritiker Niklas Maak hat die Qual der Wahl.
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HamburgDie Aufregung um die Einführung des Mindestlohns hat sich gelegt. Offenbar war alles halb so schlimm. Nur in einer Branche ist der Unmut nach wie vor groß: Die Zeitungsverlage sehen sich insbesondere im strukturschwachen Ostdeutschland trotz der für sie vorgesehenen Übergangsfrist vom Gesetzgeber überfordert.

Für großen Verdruss sorgt insbesondere die Dokumentationspflicht. Mit Manfred Braun, Geschäftsführer der Essener Funke Mediengruppe („WAZ“, „Hamburger Abendblatt“) spricht nun ein Verleger Klartext. „Die Dokumentationspflicht ist beim Mindestlohn ein großes Problem“, sagt er. „Er beutelt uns insbesondere in Ostdeutschland in einer kaum vorstellbaren Art und Weise. Es besteht die Gefahr, dass wir besonders in ländlichen Gebieten in die roten Zahlen rutschen und einzelne Ausgaben nicht mehr halten können.“

Über die Zahl der eventuell von einer Einstellung betroffenen Ausgaben hat sich Braun bereits Gedanken gemacht: „Möglicherweise müssen wir ein halbes Dutzend Ausgaben neu betrachten.“ Im Osten der Republik ist Funke in Thüringen ein ganz großer Player. Mit der in Erfurt erscheinenden „Thüringer Allgemeinen“, die auf 14 verschiedene Regionalausgaben kommt, der „Thüringischen Landeszeitung“ aus Weimar mit neun Ausgaben sowie der in Gera beheimateten „Ostthüringer Zeitung“, die zwölf Ausgaben aufweist, beherrschen die Westdeutschen den dortigen Zeitungsmarkt. Insgesamt kommen die Thüringer Funke-Zeitungen auf eine verkaufte Auflage von 266.000 Exemplaren.

In Branchenkreisen heißt es, auch andere Zeitungverlage hätten in Ostdeutschland mit der Einführung des Mindestlohns erhebliche Probleme. Und zwar auch deshalb, weil die dortigen Löhne der Zusteller bisher erheblich unter denen ihrer Kollegen im Westen der Republik gelegen hätten.

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Unerwartete Probleme hat das Kölner Zeitungshaus M. DuMont Schauberg („Kölner Stadt-Anzeiger“, „Berliner Zeitung“) mit der geplanten Übernahme von 49 Prozent der Anteile an der Kölner Außenwerbung GmbH, die derzeit noch komplett dem Marktführer Ströer gehört. Die Rheinländer haben ihren Übernahmeantrag beim Bundeskartellamt zurückgezogen, wie ein Verlagssprecher auf Anfrage bestätigt. Die Wettbewerbshüter hätten mehr Informationsmaterial zu dem geplanten Einstieg bei dem Außenwerber benötigt, sagt der Sprecher. Zudem sei die Prüfung der Unterlagen in der gesetzlich vorgeschriebenen Frist nicht machbar. Die Rücknahme der Anmeldung will der Sprecher aber nicht als Indiz für ein mögliches Scheitern der Übernahme verstanden wissen. Mit dem Kartellamt sei man im „besten Einvernehmen“.

Ein Scheitern des Deals kann sich M. DuMont Schauberg womöglich auch gar nicht leisten. Als im Februar bekannt wurde, dass die Kölner bei der Ströer-Tochter einsteigen wollen, brachte der Branchendienst „Kontakter“ die Pläne mit einer Kooperation des Zeitungshauses mit dem Außenwerber auf ganz anderer Ebene in Zusammenhang. Sie hätten „unter Umständen mit dem Vermarkterwechsel“ zu tun, der zum Jahreswechsel beide „Unternehmen näher zusammenbrachte“. Damals hatte der Verlag den Digitalvermarkter OMS verlassen. Seither lässt er seine Online-Angebote bundesweit von der Ströer-Tochter Ströer Digital vermarkten.

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Anne Will schlägt höheren Preis heraus

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  • Die Statistik der Arbeitslosen ändert sich noch nicht gravierend durch den Mindestlohn, weil die Schwächsten - Rentner, Studenten, Minijobber zur Aufstockung - erst ihre Jobs verloren haben und nicht in der Statistik zählen. Natürlich fallen dort die Konsumausgaben weg.

    Zum Thema taz:
    In Hamburg hängt eine Werbung
    "Ihr lügt wie gedruckt - wir drucken, wie ihr lügt."
    Damit ist alles gesagt. Aufgabe sollte sein die linken Lügen zu nennen und zu kritisieren, und nicht nachzubrabbeln...

  • Sollten die Verkaufszahlen der großen Qualitätsmedien stimmen so sieht es Finster aus für die Lügenpresse. Da die "taz" wohl in Berlin einen Zuschuss für ein neues Firmengebäude erhält ( über 3 Millionen vom Land Berlin) hat sich auch dort wohl die Unabhängigkeit erledigt. Nun lernen die Gutmenschen und Schreiberlinge auch mal die Arbeitsagentur kennen. Das kann den Horizont erheblich erweitern.


  • „In Branchenkreisen heißt es, auch andere Zeitungverlage hätten in Ostdeutschland mit der Einführung des Mindestlohns erhebliche Probleme. Und zwar auch deshalb, weil die dortigen Löhne der Zusteller bisher erheblich unter denen ihrer Kollegen im Westen der Republik gelegen hätten.“
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    Mein Mitleid hält sich in Grenzen. Ich kenne die Medienbranche und weiss, was läuft. Die Zeitungsverleger drücken seit Jahren die Honorare für Freie. Immer mieser wurden die Bedingungen, weshalb ich auch aus der Branche ausgestiegen bin. Nur die festangestellten Redakteure haben noch ein gutes Leben, finanziell wie arbeitstechnisch. Ich habe erlebt, wie damals in 2003 über 250 Leute in unserem Zeitungshaus freigestellt wurden, von einem auf den anderen Tag kam die Kündigung. Das waren alles gutverdienende, motivierte junge Kolleginnen und Kollegen. Einige von jenen, sind heute finanziell auf Sozialhilfeniveau und ihre Lebensbiografien zerstört. Es geht immer noch tiefer, Hauptsache mich persönlich betrifft es nicht. Deshalb ist es gut, dass sich die Arbeitnehmer zunehmend durch Streikmassnahmen wehren. Ich wünsche mir einen Aufstand der Arbeitslosen und Hartzer, die nicht mehr länger hinnehmen wollen, dass man sie aussortiert hat oder ihnen trotz guter Qualifikation, mitz Schul- und Berufsabschlüssen nur noch Niedriglohnbeschäftigungen bei Leiharbeitszuhältern anbietet.
    Oben wird immer noch dick verdient und unten bluten die Menschen aus.

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