Medienmacher
Nachrichten gegen Daten

Warum sich ein Zeitungshaus von der klassischen Bezahlschranke verabschiedet. Und wieso sich die Öffentlich-Rechtlichen glücklich schätzen dürfen, kaum wegen Kartellvergehen ihrer privaten Töchter gescholten zu werden.
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HamburgEs war im Frühjahr dieses Jahres, als auf einer Branchentagung die Vertreterin eines großen deutschen Medienhauses ihren Kollegen erklärte, sie glaube nicht an digitale Bezahlschranken. Zumindest in Deutschland seien alle bisherigen Versuche gescheitert, auf diesem Weg nennenswerte Erlöse zu erzielen. Kaum ein Tagungsteilnehmer konnte die Position der Dame nachvollziehen. Schließlich gilt in Medienkreisen als unverrückbare Gewissheit, dass es ohne die Paywall einfach nicht geht – mag es auch noch so mühsam sein, durch den Verkauf digitaler Texte, Bilder und Videos Geld zu verdienen. Fast jeder Verlag verfügt mittlerweile über eine Bezahlschranke im Netz.

Und wie unkonventionell der Vorstoß der Medienmanagerin war, sieht man auch daran, dass sie ihn öffentlich bisher nicht wiederholt hat. Womöglich erfolgte ihre Wortmeldung nur deshalb, weil es zu den Regeln der Tagung gehört, dass sämtliche Redebeiträge nicht nach außen getragen werden dürfen.

Doch nun scheint das bisherige Nicht-Thema Bezahlschranke auch jenseits verschlossener Türen von Branchentagungen hochzukochen: In einem internen Papier der Kölner Mediengruppe DuMont vom 7. Juli mit dem Titel „Digital Agenda 2016“ wird die Abschaffung der Paywall – zumindest in ihrer bisherigen Form – für die Portale der rheinischen Blätter des Zeitungshauses angekündigt. Im Rheinland gibt DuMont den „Kölner Stadt-Anzeiger“, die „Kölnische Rundschau“ und das Boulevardblatt „Express“ heraus. Für das Portal des „Kölner Stadt-Anzeigers“ hat DuMont im Sommer 2014 eine Bezahlschranke als „metered model“ eingeführt. Deren Tage dürften nun gezählt sein. In dem von DuMont Rheinland erstellten Papier heißt es auf Seite 34, geplant sei der „Ausbau der Website zum größten, für sich stehenden Lead-Kanal für die Kölner Marken zur anschließenden Monetarisierung der Kunden, gleichzeitige Abschaffung des derzeitigen Paywall-Modells. Und unter dem Punkt „Next Steps“ steht noch einmal unmissverständlich: „Einstellung der Paywall“.

Der „Investitionsantrag“ für den Umbau des Portals, ist, so die Verfasser des Papiers, „vom Vorstand genehmigt“ worden. Die Umsetzung des Umbaus soll „in Abstimmung mit dem technischen Dienstleister“ im Oktober und November erfolgen. Das lässt darauf schließen, dass die neue Site zum Jahreswechsel im Netz stehen könnte.

Die Frage ist, was nach der Paywall kommt. Nach Angaben eines Unternehmenssprechers soll die Bezahlschranke jedoch gar nicht abgeschafft, sondern lediglich „anders“ werden. Wie konkret, will er nicht verraten. Er sagt jedoch, dass mithilfe des slowakischen Dienstleisters Piano Media, der bereits die Paywall installierte, „das bisherige Modell auf ein Registrierungsmodell mit anschließenden Monetarisierungsmöglichkeiten“ umgestellt werden soll. Laut eines Wortlautprotokolls sprach der Geschäftsführer von DuMont Rheinland Philipp Froben bereits Ende Juni in einer Mitarbeiterversammlung, über den geplanten Versuch, durch „die Registrierung mit den Daten der Nutzer Einnahmen zu generieren“. Unmittelbar zuvor soll er das bisherige Paywall-Modell für gescheitert erklärt haben.

Bezahlt man bei DuMont also künftig Nachrichten mit Daten? Vieles spricht dafür. Und da DuMont Rheinland nicht irgendein Ableger des Zeitungshauses, sondern dessen Keimzelle ist, könnte dieses Modell über kurz oder lang auch auf die Konzernstandorte Berlin („Berliner Zeitung“), Halle („Mitteldeutsche Zeitung“) und Hamburg („Hamburger Morgenpost“) übertragen werden.

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