Medienmacher
Und sie feiern doch

Bei Axel Springer fällt die Weihnachtsfeier nicht aus, doch die Schwäche der „Bild“ macht Sorgen. Ein Journalistenschüler hat Probleme mit Studio Babelsberg. Und Sky verklagt ehemalige Vorstände sowie die Allianz.

An sich ist die Sache mit der Weihnachtsfeier, die bei Axel Springer auszufallen drohte, eine Petitesse. Dennoch scheint da irgendetwas aus dem Ruder gelaufen zu sein. Jedenfalls versandte der Vorstand des Berliner Medienhauses eine Mail an seine Mitarbeiter, die man als Entschuldigungsschreiben verstehen konnte. „Auch Vorstände sind Menschen“, heißt es dort. Und: „Menschen machen Fehler.“ Einen solchen räumen die Firmenlenker nun ein: „Die Weihnachtsfeier abzusagen, war sparen an der falschen Stelle.“

Damit könnte die Sache erledigt sein. Allerdings hatte Personalchef Alexander Schmid-Lossberg vergangene Woche den ursprünglichen Beschluss, auf die Feier zu verzichten in Springers Intranet mit dem „anhaltend äußerst schwierigen Anzeigenmarkt“ begründet. Mittlerweile ist klar, was er damit meinte: Springers Cashcow „Bild“ hat einen Bruttoanzeigenrückgang von 15 bis 20 Prozent zu verzeichnen, wie es in Verlagskreisen heißt. Offiziell mag man sich dazu bei Springer nicht äußern.

So oder so: Die schwierige Situation bei „Bild“ ist nun nicht nur bei Springer Gesprächsthema. Denn das Boulevardblatt performt im Anzeigenmarkt deutlich schlechter als die Konkurrenz: Die Anzeigenerlöse der Tageszeitungen insgesamt legten von Januar bis September nämlich um 0,2 Prozent auf 3,29 Milliarden Euro zu. Mag sein, dass die Anzeigenverkäufer des Medienkonzerns Fehler gemacht haben. Deren Chef Andreas Geyr wurde erst kürzlich abgelöst. Um das Anzeigengeschäft der Tageszeitungen kümmert sich künftig der erfahrene Zeitungsmanager Harald Wahls, der derzeit noch Geschäftsführer der „Braunschweiger Zeitung“ ist, die in der Essener Funke Mediengruppe erscheint.

Womöglich gibt es bei der „Bild“-Zeitung, die unter massiver Auflagenschwindsucht leidet, aber auch ein grundsätzliches Problem. Chefredakteur Kai Diekmann umgarnt ein hippes Szene-Publikum, dem er sich mit Hipster-Bart, Tattoos und zerfetzten Jeans auch im äußeren Erscheinungsbild angenähert hat. Zudem versteht sich „Bild“ unter seiner Führung immer mehr als politisches Leitmedium. Beim Spagat zwischen Politik und Szene bleibt die eigentliche Kernzielgruppe des Boulevardblatts auf der Strecke: Der einfache Mann von der Straße findet sich immer weniger in „Bild“ wieder.
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Ob die Geschichte in „Bild“ eines Axel-Springer-Journalistenschülers über die Dreharbeiten zur fünften Staffel der hippen US-Serie „Homeland“ in Berlin nach dem Geschmack von Otto Normalverbraucher war? Der Mehrteiler ist jedenfalls in Deutschland alles andere als ein Straßenfeger. Der Mime, den der Berufsanfänger während der Dreharbeiten, bei denen er sich als Komparse eingeschmuggelt hatte, zu Gesicht bekam („Und da tauchte ,Homeland‘-Star Rupert Friend auf“), dürfte vielen „Bild“-Lesern unbekannt sein. Und nun hat der junge Mann auch noch rechtliche Probleme wegen seines Stücks. Studio Babelsberg, das für die Berliner Sequenzen der fünften „Homeland“-Staffel verantwortlich zeichnete, ließ ihm ein Unterlassungsbegehren zukommen. Zudem prüft das Studio nach Angaben eines Sprechers weitere juristische Konsequenzen. Der Grund: Der Journalistenschüler soll als Komparse eine Erklärung unterschrieben haben, die ihn zu absoluter Verschwiegenheit in Bezug auf die Dreharbeiten verpflichtet.
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