Medienmilliardär entdeckt den israelischen Telekommarkt
Haim Saban will schnell bei Pro Sieben Sat 1 aussteigen

Der amerikanisch-israelische Milliardär Haim Saban verliert offenbar das Interesse am kriselnden deutschen Fernsehmarkt. Mit seinem Einstieg bei Israels größter Telefongesellschaft Bezeq vollzieht der Medienunternehmer eine strategische Kehrtwende. In Israel winken derzeit traumhafte Renditen, während der deutsche Fernsehmarkt der schlechteste in Europa ist.

DÜSSELDORF/LOS ANGELES. Der Großaktionär und Aufsichtsratschef des Fernsehkonzerns Pro Sieben Sat 1 will sich wohl noch in diesem Jahr von seinem deutschen Investment trennen. „Saban schwärmt von den großartigen Möglichkeiten in Israel und will daher so schnell wie möglich mit den anderen Investoren aus der Pro Sieben Sat 1 raus“, sagt ein Insider. „Pro Sieben Sat 1 ist in seiner Aufmerksamkeit eine Etage tiefer gefallen.“ Angesichts der hohen Bewertung der Senderfamilie an der Börse würde Saban derzeit noch ein exzellentes Geschäft machen. „Es spricht mehr für einen Ausstieg als für ein nachhaltiges Investment“, hieß es auch im Umfeld von Saban.

Unabhängige Marktbeobachter sehen das ähnlich. „Für die kurze Zeit ist die Performance für die Investoren sehr gut“, sagt Analyst Peter-Thilo Hasler von der Hypo-Vereinsbank. Der Kurs von Pro Sieben Sat 1 hat sich seit dem Einstieg von Saban und den Finanzinvestoren wie Hellman & Friedman, Bain und Providence vor rund zwei Jahren mehr als verdoppelt. Ein Sprecher der Saban Capital Group sagte aber am Wochenende: „Es gibt derzeit keine Verhandlung. Das Investment ist – wie oft betont – mittelfristig angelegt.“

Die Zeit für einen Ausstieg bei Pro Sieben Sat 1 drängt. Denn die Sendergruppe leidet wie der Konkurrent RTL unter der schlechten Werbekonjunktur. Während Pro-Sieben-Vorstandschef Guillaume de Posch noch von einem Rückgang von zwei Prozent bei den Reklameausgaben ausgeht, ist die Bertelsmann-Tochter pessimistischer. In der RTL-Chefetage ist von einem Rückgang von mindestens fünf Prozent netto die Rede.

Saban hat mit dem Einstieg im israelischen Telekommarkt auf die schlechten Prognosen für den deutschen TV-Markt reagiert. Der Milliardär aus Beverly Hills hatte Anfang Mai zusammen mit der Private-Equity-Gesellschaft Apax und dem israelischen Investor Mori Arkin für den Kaufpreis von 971,6 Mill. Dollar 30 Prozent an dem Telekomkonzern Bezeq erworben. Außerdem hält die Investorengruppe um Saban eine Option, weitere 10,7 Prozent zu erwerben. Der in Tel Aviv börsennotierte Konzern erzielte mit Festnetz- und Mobiltelefonie, TV-Geschäften sowie Dienstleistungen im vergangenen Jahr einen Umsatz von 1,72 Mrd. Dollar. Der operative Gewinn belief sich auf knapp 258 Mill. Euro.

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