Medienmogul
Murdoch bekommt Freibrief bei Premiere

Der australische Medienmogul Rupert Murdoch muss im Falle einer Kontrollübernahme beim angeschlagenen Bezahlsender Premiere den übrigen Aktionären kein Pflichtangebot für ihre Aktien machen. Seine News Adelaide Holding teilte mit, dies habe die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) entschieden.

KÖLN. Sollte die News Corp die Kontrolle erlangen, müsse es dies noch nicht einmal veröffentlichen. Die BaFin kann solche Ausnahmen gewähren, wenn ansonsten „bestandsgefährdende Risiken“ für ein Unternehmen drohen.

Premiere hatte zuvor angekündigt, dass über eine – von der News Corp garantierte – Kapitalerhöhung insgesamt 450 Mio. Euro in den Sender gepumpt werden sollen. Die Banken wollen dem Sender vor diesem Hintergrund dann Kredite über 525 Mio. Euro gewähren.

Murdoch hatte seine Unterstützung an die Bedingung geknüpft, kein Pflichtangebot an die übrigen Aktionäre abgeben zu müssen, wenn die Schwelle von 30 Prozent der Anteile überschritten wird. News Corp ist seit 2008 Premiere-Aktionär.

Fast zeitgleich wurde bekannt, dass die britische Beteiligungsgesellschaft Odey beim Bezahlsender zum Großaktionär aufgestiegen ist. Das 1991 gegründete Unternehmen von Crispin Odey hat nach Angaben von Premiere seinen Anteil auf 10,11 Prozent erhöht. Bislang hielt der Londoner Investor nur 6,29 Prozent.

Pikant dabei: Odey, Gründer des Londoner Hedgefonds, war in erster Ehe mit Murdoch ältester Tochter Prudence verheiratet. Der frühere Banker gilt in der Finanzszene als schillernde Figur, so zahlte sich 2007 selbst ein Gehalt von knapp 28 Mio. britischen Pfund.

Das Verhältnis zwischen Odey und Murdoch ist mit der Entscheidung der BaFin nicht mehr (aktienrechtlich) relevant. Murdoch, der mehr als 25,1 Prozent an dem MDax-Konzern hält, hätte theoretisch die kritische 30-Prozentmarke schon überschreiten können, falls die Odey-Anteile seinem Interessenbereich zugeordnet worden wären.

Murdoch will den Pay-TV-Konzern nicht komplett übernehmen, nur sanieren. Über die Kapitalerhöhung entscheidet eine außerordentliche Hauptversammlung am 26. Februar.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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