Mediennutzung
Einwanderer schätzen private Fernsehsender

ARD und ZDF haben das Fernsehverhalten von Einwanderern untersuchen lassen. Ergebnis: Bei der Mediennutzung gibt es keine Parallelgesellschaft. Allerdings schalten ausländische Mitbürger häufiger private Kanäle ein als die öffentlich-rechtliche Konkurrenz. Nun will das Zweite mit dem türkischen Medienkonzern Dogan kooperieren.

hps DÜSSELDORF. Bei der Mediennutzung gibt es keine Parallelgesellschaft. Für Einwanderer sind die Fernsehsender das wichtigste Medium in Deutschland. Das ist das Ergebnis einer am Dienstag in Mainz vorgestellten Studie von ARD und ZDF. Nach Angaben der Untersuchungen nutzt lediglich noch ein geringer Teil von Einwanderer Fernsehangebote in der jeweiligen Heimatsprache. Nur eine Minderheit von 14 Prozent sieht ausschließlich heimatsprachiges Fernsehen. Die Ausnahme seien türkische Migranten. Im Gegensatz zu anderen Minderheiten können sie aber in Deutschland auf ein umfangreiches Angebot zurückgreifen.

Allerdings nutzen ausländische Fernsehzuschauer laut Studie deutlich stärker die privaten Kanäle wie RTL, Sat 1 oder Pro Sieben als die öffentlich-rechtliche Konkurrenz. Insgesamt wird Fernsehen von Migranten und Deutschen in ähnlichem Umfang genutzt.

Für die Studie befragte das Meinungsforschungsinstitut TNS Emnid von Oktober 2006 bis Februar 2007 rund 3 000 Zuwanderer aus der Türkei, Griechenland, Italien, Polen, Serbien und Montenegro, Kroatien, Bosnien-Herzegowina sowie russische Spätaussiedler. Arabische Einwanderer, bei denen der Konsum des arabischsprachigen Senders Al Dschasira sehr verbreitet ist, wurden nicht befragt.

Das ZDF sieht bei diesem Nutzerverhalten offensichtlich Handlungsbedarf und will das Fernsehangebot für Einwanderer verbessern. Wie der Mainzer Sender am Dienstag mitteilte, werde das ZDF mit der türkischen Mediengruppe Dogan Media zusammenarbeiten. Vereinbart worden sei unter anderem ein Austausch von Nachrichtenbeiträgen, teilten ZDF-Intendant Markus Schächter und Dogan-Media-Geschäftsführer Mehmet Ali Yalcindag mit. Damit kann das ZDF die Berichterstattung über die Türkei ausbauen. Zudem zeigen die türkischen Sender EuroD und EuroStar, die vor allem von Türken in Deutschland geschaut werden und von Dogan betrieben werden, ab Mitte Juni am frühen Abend deutschsprachige Beiträge aus den ZDF-Kindernachrichten „logo!“ und dem Magazin „heute in Europa“.

Dogan wollte erst vor wenigen Monaten vergeblich den Fernsehkonzern Pro Sieben Sat 1 übernehmen. Den Zuschlag erhielten die beiden Finanzinvestoren Permira und KKR. Dogan Media hat nach eigenen Angaben fast 40 Prozent Marktanteil am türkischen TV-Markt.

In der Vergangenheit wurde immer wieder diskutiert, ob es einen türkischen Informationskanal geben sollte, der dann mit Rundfunkgebühren finanziert würde. Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer, sprach sich am Dienstag dagegen aus. „Wir brauchen kein Fernsehen für Migranten, sondern die Einbindung in die Massenprogramme“, sagte die CDU-Politikerin. Sie forderte, die Zahl der Migrantenvertreter in den Medien zu erhöhen, um neue Blickwinkel ins Programm zu bringen.

Auch der liberal-konservative ZDF-Intendant Markus Schächter sprach sich gegen „Programmnischen“ für Migranten aus. Integration und Migration seien selbstverständlicher Bestandteil der Programme des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Der konservative Intendant der Hessischen Rundfunks (HR) und stellvertretende Vorsitzende der ARD/ZDF-Medienkommission, Helmut Reitze, kündigte an, auch die ARD wolle für eine stärkere Repräsentanz von Migranten in den Medien sorgen und ihre Ausbildung in programmprägenden Berufen fördern.

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