Medienunternehmen
Spiegel-Verlag expandiert in Bildungssektor

Nach Print, Online und TV will das Verlagshaus künftig Edutainment als vierte Säule entwickeln. Für eine Expansion mangele es nicht an Geld, der Verlag prognostiziert ein leichtes Umsatzplus auf 325 Millionen Euro.
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HamburgMit dem Bezug des spektakulären Verlagshauses in der Hamburger Hafencity soll für den Spiegel-Verlag eine neue Zeit beginnen. Das Medienunternehmen will Print, Online und TV nun Edutainment als vierte Unternehmenssäule entwickeln. „Wir wollen im Bereich Bildung ein neues Geschäftsfeld aufbauen“ sagte Ove Saffe Geschäftsführer des Spiegel-Verlags, dem Handelsblatt. „Deshalb sind wir an Zukäufen im Bereich Education und Edutainment interessiert.“

Das Verlagshaus spricht derzeit mit mehreren Start-up's, um sich im Bildungsbereich zu verstärken. „Die Firmen, die für uns interessant sind, haben einen Umsatz im ein- und zweistelligen Millionen-Bereich“, sagt Saffe, der seit über drei Jahren die Spiegel-Geschäftsführung inne hat. An den finanziellen Mitteln für eine Expansion mangelt es offenbar nicht. „Nicht das Geld ist das Problem, sondern passende Übernahmeobjekte. Es gibt derzeit schlichtweg nicht genügend Möglichkeiten für Zukäufe“, sagt der frühere „Stern“-Verlagsgeschäftsführer.

Im 13. Stock der neuen Firmenzentrale, der Chefetage, herrscht Zuversicht trotz eines unwägbaren vierten Quartal. Der Spiegel-Verlag prognostiziert für dieses Jahr eine leichte Umsatzsteigerung auf 325 Millionen Euro. „Wir sind für das Jahr 2011 zuversichtlich. Bislang liegen wir leicht über dem Vorjahr“, sagt Saffe. Im vergangenen Jahr lag der Umsatz bei knapp 320 Millionen Euro. Zum Spiegel-Verlag gehören das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“, das Monatsheft „Manager Magazin“, Deutschlands führendes Online-Informationsportal Spiegel Online sowie Spiegel TV.

Doch nicht alle Geschäfte laufen rund. Mit der Fernsehsparte gibt es derzeit Probleme. Spiegel TV hat zuletzt eine Reihe von Fernsehformaten verloren. Zuletzt beförderte der Privatsender Sat 1 das von Johannes B. Kerner moderierte Magazin „Kerner“ ins Aus. Ein Personalabbau ist daher aus der Sicht der Unternehmensführung unumgänglich. Da die von Markus Lanz moderierte ZDF-Sendung „Lanz kocht“ nicht ausreicht, alle Mitarbeiter der Verlagstochter Spiegel TV Infotainment weiter zu beschäftigen. „Im Kern geht es um circa 35 Arbeitsplätze“, sagt Saffe. Er verteidigt den Personalabbau: „Ein solcher Vorgang ist durchaus üblich in der TV-Produktion, wenn wichtige Aufträge wegbrechen.“

Spiegel TV macht derzeit rund 15 Prozent des Gesamtumsatzes der Spiegel-Gruppe aus. Nächstes Jahr könnte Spiegel Online laut Saffe erstmals Spiegel TV bei den Erlösen überholen.

Der Verlag wird künftig weiter an der Preisschraube für sein Nachrichtenmagazin drehen. „Mittelfristig könnte der ,Spiegel’ fünf Euro kosten“, sagt Saffe. Erst zu Jahresbeginn wurde der Preis auf vier Euro angehoben. Der will mit höheren Vertriebserlösen unabhängiger vom Werbemarkt werden. „In den nächsten 24 Monaten kann ich mir eine Preiserhöhung vorstellen. Der Korridor wird sich zwischen zehn und 20 Cent bewegen“, sagt Saffe. Beim „Spiegel“ mit einer Auflage von rund 963.000 Exemplaren bislang im Jahr 2011 kommen 60,5 Prozent aus dem Vertrieb und 39,5 Prozent aus Anzeigen.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa

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  • ...erdings müssten die Kurse allgemeine Anerkennung verdienen und nicht wie am Institut, das angeblich die Wirtschaft fördert ... von den Ausbildenden nur zur eigenen Einkommensaufbesserung ... dienen.

    Korrektur:

    ...erdings müssten die Kurse ... Anerkennung verdienen und dürften nicht, wie es an jenem Institut gehandhabt wird, das angeblich helfen soll, die Wirtschaft zu fördern (den ...), von den Ausbildenden als (zur/für eine) Einkommensaufbesserung ... missbraucht werden ...

    ... müssten die Kurse ... Anerkennung verdienen und nicht, wie es am ... gehandhabt wird, von den Ausbildenden nur als Einkommensaufbesserung gesehen werden ...

    ... müssten die Kurse ... Anerkennung verdienen und nicht nur, wie es am ... gehandhabt wird, der Einkommensaufbesserung der Ausbildenden dienen ...

  • Wie soll es nach fünf Jährchen vermischter Themen auch anders sein, wenn sogar die Texter-Ausbildung an einer in Hamburg ansässigen Fern-Akademie einen täglich achtstündigen Aufwand über mindestens eineinhalb Jahre erfordert, damit der Stoff halbwegs sitzt? Und hier hat man gerade mal besseres Schreiben gelernt, was durch ständiges Tun (allerdings egal ob zuhause oder beruflich!) erst im Laufe der Zeit annäherndes Finish erfährt.

  • Das mit der Bildung ist eine tolle Idee mit viel Potential. Natürlich brauchen einige Märkte (besonders Österreich ist davon arg betroffen!) mehr Konkurrenz bei den Bildungsangeboten. Allerdings müssten die Kurse allgemeine Anerkennung verdienen und nicht wie am Institut, das angeblich die Wirtschaft fördert (den genauen Namen lasse ich außen vor, da ich sowieso schon unter politischer Verfolgung zu leiden habe, was sich mit andauernder Wirtschaftskrise noch verschlimmern könnte!) von den Ausbildenden nur zur eigenen Einkommensaufbesserung (oft handelt es sich bei der Lehrtätigkeit nur um ein Alternativeinkommen, weil die eigene Firma nicht läuft!) dienen. Zeugnistreiberei und Titelvergabe ohne großartige Inhalte lassen die Idee keimen, qualitative Konkurrenz zu schaffen, deren Abschlüsse mit Können des vermittelten Stoffes einhergehen sollten. Außerdem werden die hier vergebenen Titel nur als psychologisches System genutzt und vergeben, um Kunden (Azubis) zu fangen, während man mit diesen Abschlüssen genau bei den Ausbildnern keinen Job erhält - was für ein Widerspruch für das Institut und sehr überzeugend für die Qualität der Ausbildner, die sich selbst wie Götter präsentieren. Allerdings beruht diese Gotthaftigkeit sehr oft nur auf Verflechtung mit den Kammern und in die Politik. Da kriegt der Nageldesigner ein Diplom und nennt sich dann Diplomnageldesigner - uihuipfui! Und da muss man mit Kursen reinfahren, die Inhalte bieten, und die die Schüler solange trainieren, bis der Stoff beherrscht wird. Es darf nicht sein, dass es Abschlüssler gibt, die wie an manchen Fachhochschulen üblich, fünf Jahre Stoff pauken, der mit dem angestrebten Kernberuf wenig zu tun hat, wie ich bei Grafikdesignern habe beobachten können. Da hat die Beschäftigung mit den Programmen Vorrang zu haben - nicht English, Mathematik und Co. Oder die Werbeuni in Wien, deren Absolventen die gleiche Gotthaftigkeit besitzen, aber kaum einen Satz richtig schreiben können.

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