Medienzar Murdoch
Rupert auf allen Kanälen

Als Rupert Murdoch Fox News und Myspace übernahm, schüttelten viele mit dem Kopf. Heute sind die Unternehmen Milliarden wert und die Kritiker verstummt. Doch anstatt sich auf seinen Lorbeeren auszuruhen, mischt der Medienzar vorzugsweise die US-Wirtschaftsmedien in den USA auf: erst Dow Jones, jetzt den TV-Sender Fox Business Network.

NEW YORK. Der Mann, auf den alle gewartet haben, betritt das Podium und versinkt nahezu in den tiefen Polstern eines klobigen Sessels. Hunderte von Wall-Street-Analysten im großen Ballroom A des New Yorker Grand Hyatt Hotels klatschen artig Beifall, als Rupert Murdoch die Bühne betritt. Dabei müssen sich all die Experten von Goldman Sachs & Co. gleich anhören, dass sie im Grunde keine Ahnung haben: vom Mediengeschäft im Allgemeinen und von Murdochs Konzern News Corp. im Besonderen.

Für einen "Idioten" habe man ihn in den USA einst gehalten, sagt Murdoch. "Heute soll Fox News zehn Milliarden Dollar wert sein." Ausgelacht hätten sie ihn, als er das junge Internet-Portal Myspace übernahm. "Heute würde man das 20-fache dafür zahlen." Wollte nach Murdochs Medienanalyse noch irgendwer nachfragen, ob fünf Mrd. Dollar für einen schwächelnden Traditionsverlag wie Dow Jones nicht ein bisschen zu viel des Guten waren? Keiner fragt mehr nach. Murdoch verlässt den Ballsaal, und die Menge spendet warmen Applaus. Bye, bye Rupert - bis zur nächsten Lehrstunde.

Dass ein 76-Jähriger als umworbener Gastredner bei einer futuristisch anmutenden Analysten-Konferenz namens "Communacopia XVI" spricht, ist ein Widerspruch in sich. Murdoch vermag sie mit fortschreitendem Alter scheinbar alle aufzulösen - nach und nach. Gut vier Jahre hat sein US-Fernsehsender Fox News gebraucht, um den schier unschlagbaren Widersacher CNN in der Zuschauergunst einzuholen. Vier Jahre Zeit will er auch im Printbereich, um Dow Jones samt seiner Wirtschaftszeitung "Wall Street Journal" zu neuer Blüte zu führen. Der komplizierte Deal mit der Dow Jones-Verlegerfamilie Bancroft ist kaum ausgehandelt, da reitet Murdoch schon die nächste Offensive: Der Wirtschaftssender Fox Business Network geht am Montag erstmals auf Sendung und soll die fetten Monopolrenditen von CNBC (operative Marge 57 Prozent) angreifen. Der Fernseh-Ableger des Mischkonzerns General Electric sei ein reiner "Finanzkanal für die Wall Street", sagt Murdoch: "Wir sind ganz anders, wir sind für die Main Street."

Seite 1:

Rupert auf allen Kanälen

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%