Mehr deutsche Titel im Radio
Musikbranche wieder zuversichtlich

Die deutsche Musikbranche sieht wieder Licht am Ende des Tunnels: Der Umsatz ging im vergangenen Jahr nur noch leicht um 3,6 Prozent auf 1,75 Milliarden Euro zurück - 2005 setzt die Branche zumindest auf stabile Geschäfte.

HB BERLIN. Eine „geile Zeit“ mag in der deutschen Musikbranche noch keiner ausrufen. Aber Chart-Erfolge wie der gleichnamige Titel der Band Juli lassen die Plattenfirmen nach drastischen Einbußen in Serie nun endlich wieder Mut fassen. Denn auch das Herunterladen von Musik ohne Bezahlung aus dem Internet nimmt ab. Hoffnungen ruhen weiter auf neuen deutschen Bands, mit denen sich längst auch große Labels schmücken. Doch im Radio gelangen heimische Titel noch immer viel zu selten auf den Sender, klagt die Branche.

Die aktuelle Hitparade kommt den Musikmanagern gerade recht. Auf Platz eins bei den Singles: Nena mit „Liebe ist“. Ganz oben bei den Alben: Marius Müller-Westernhagens „Nahaufnahme“. Und das ist keine Seltenheit. In den Album-Charts 2004 kamen deutsche Produktionen auf einen Rekordanteil von 30,3 Prozent, bei Singles war es trotz kleiner Einbußen sogar mehr als die Hälfte. Neben alten Bekannten wie Nena, Westernhagen oder Herbert Grönemeyer trugen dazu junge Künstler wie Max Mutzke, Annett Louisan, Mia oder Silbermond bei. An den Radios kann das kaum gelegen haben. Deutschsprachige Neuheiten kamen bei den Privatsendern laut einer Studie im Auftrag der Musikbranche auf einen Anteil von 2,2 Prozent, bei öffentlich-rechtlichen auf 4,9 Prozent.

„Das ist eine Ignoranz gegenüber deutscher Musik, die nicht haltbar ist“, sagt Gerd Gebhardt, Chef der deutschen Phonoverbände. Dabei hatte der Bundestag erst im Dezember eindringlich an die Sender appelliert, im Sinne ihres Kulturauftrags gut ein Drittel im Programm für deutsche Produktionen zu reservieren. Dass die Plattenbranche auf rasche Schritte dringt, liegt aber auch in ihrem wirtschaftlichen Interesse. Um neue Titel und junge Bands ohne Radiopräsenz bekannt zu machen, müssen die Firmen Kooperationen mit Fernsehsendern eingehen oder extra Konzertauftritte organisieren - Werbung, die bei ohnehin angespannter Ertragslage viel Geld kostet.

Und locker sitzt der Branche das Geld nach zuletzt zweistelligen Umsatzeinbußen nicht. Das bekamen auch die Mitarbeiter zu spüren. Nochmals 400 Jobs fielen im vergangenen Jahr bei Tonträgerherstellern weg und 1100 Stellen im Handel, so dass noch knapp 29 000 Beschäftigte bleiben. Umso erwartungsvoller richten sich die Blicke auf Hoffnungszeichen.

Nach jahrelangen technischen Problemen ist ein Markt für Bezahl- Angebote zum Musik-Herunterladen aus dem Internet entstanden, selbst wenn er vorerst nur auf einen Anteil von 0,7 Prozent kommt. Auch von mobiler Musik - Songs in CD-Qualität auf dem Handy - versprechen sich die Plattenfirmen zusätzliche Einnahmen. Weiter profitieren wollen sie auf jeden Fall von der Welle neuer deutscher Bands. Das Budget für Aufbau und Pflege des „lokalen Repertoires“ stockte etwa SonyBMG um 20 Prozent auf 25 Millionen Euro auf - schließlich ist dies auch in Italien und Frankreich schon ein erfolgreicher Trend.

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