Mehr Kontrolle
Windhorst-Anwalt soll Aufsichtsrat von Balda werden

Das Jahr 2008 war für den ostwestfälischen Handy-Zulieferer Balda bislang ein einziges Desaster. Ein fehlgeschlagener Verkauf von Tochterfirmen führte das Unternehmen bis an den Rand der Insolvenz, der Aktienkurs brach massiv ein. Nun schicken die Großaktionäre neue Kontrolleure in den Aufsichtsrat.

DÜSSELDORF. Der Anwalt von Lars Windhorst soll in den Aufsichtsrat des angeschlagenen Handyausrüsters Balda einziehen. Dies bestätigte der Berliner Rechtsanwalt Michael Naschke dem Handelsblatt. Sein Mandant Windhorst ist Geschäftsführer der Investmentfirma Vatas. Deren Muttergesellschaft Sapinda wiederum íst mit 8,4 Prozent der Anteile einer der größten Aktionäre von Balda. Der Aktienkurs von Balda ist seit Jahresbeginn um 80 Prozent eingebrochen.

Neben Naschke gibt es eine weitere Veränderung im Kontrollgremium von Balda. Als zweiter neuer Aufseher wird sich Michael Sienkiewicz auf der Hauptversammlung am 29. Juli in der Stadthalle Bielefeld den Aktionären zur Wahl stellen. Der Unternehmensberater aus San Francisco gilt als Vertrauter von Michael Chiang, dessen Familie 15,3 Prozent an Balda hält. Chiang leitet zudem das Asien-Geschäft von Balda, darunter auch das Joint-Venture TPK, an dem die gesamten Zukunftshoffnungen des Unternehmens hängen. TPK liefert unter anderem die berührungsempfindlichen Bildschirme für das iPhone von Apple.

Der Balda-Aufsichtsrat soll aber nicht nur verändert, sondern auch von sechs auf drei Mitglieder verkleinert werden. Bernd Fennel, Paul Stodden, Othmar Vock und Lutz Völker scheiden allesamt zum 31. Juli 2008 aus dem Gremium aus. Mark Twaalfhoven war bereits zum 30. November 2007 zurück getreten. Der einzige Aufsichtsrat, der sich erneut zur Wahl stellt, ist der amtierende Aufsichtsratsvorsitzende Richard Roy.

Für 2007 wies das Unternehmen bei einem Umsatz von 309 Mill. Euro einen Jahresfehlbetrag von 73,3 Mill. Euro aus. Derzeit bemüht sich Balda darum, seine Kredite neu zu regeln. Zuvor trieb der misslungene Verkauf mehrere Tochterfirmen das Unternehmen fast in die Insolvenz. Der US-Investor Guy Wyser-Pratte warf dem Balda-Vorstandschef Joachim Gut mutwilliges Missmanagement vor und verkaufte im März alle seiner drei Millionen Aktien mit hohen Verlusten.

Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche
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