Mehr Umsatz, weniger Gewinn Kurs-Höhenflug wird für SAP zur Last

Eine hohe Nachfrage nach Cloud-Software führt bei SAP zu einer üppigen Umsatzsteigerung. Europas größter Softwarehersteller muss trotzdem einen rückläufigen Gewinn hinnehmen. Schuld daran ist auch der hohe Aktienkurs.
Update: 25.04.2017 - 08:09 Uhr 1 Kommentar

SAP legt gute Quartalszahlen vor

SAP legt gute Quartalszahlen vor

WalldorfHohe Managergehälter und Personalkosten haben bei Europas größtem Softwarehersteller SAP trotz eines Umsatzschubs im ersten Quartal den Gewinn gedrückt. Die Erlöse legten auch dank eines schwachen Vergleichsquartals im Vorjahr um zwölf Prozent auf 5,3 Milliarden Euro zu, wie das im Dax notierte Unternehmen am Dienstag mitteilte. Unter dem Strich verdiente SAP mit 530 Millionen Euro aber sieben Prozent weniger. Grund sei vor allem die aktienbasierte Vergütung für SAP-Mitarbeiter, sagte Finanzchef Luka Mucic.

Ein Euro Kursgewinn bei der SAP-Aktie mache etwa 20 Millionen Euro an Mehrkosten aus. Der Kurs der Aktie hatte in den vergangenen zwölf Monaten um gut 20 Euro auf mehr als 90 Euro zugelegt – mit entsprechenden Auswirkungen auf den Gehaltszettel. SAP-Chef Bill McDermott beispielsweise hatte für 2016 wegen dieser langfristigen Vergütungsbestandteile mit knapp 14 Millionen Euro für 2016 das höchste Gehalt in der Dax-Riege kassiert.

Gleichzeitig war die Mitarbeiterzahl im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum um zehn Prozent auf 85.751 Beschäftigte weltweit gestiegen. Grund sei das stark wachsende Geschäft mit Mietsoftware, sagte ein Firmensprecher. Um das Feld auszubauen, hatte sich SAP in den vergangenen Jahren mit Milliardenübernahmen gerüstet, war zuletzt aber aus eigener Kraft gewachsen. Der neue Bereich soll in diesem Jahr bis zu vier Milliarden Euro einbringen.

Von Januar bis März verdiente der Marktführer für Firmensoftware um Sonder- und Währungseffekte bereinigt 1,198 Milliarden Euro, ein Plus gegenüber dem Vorjahresquartal von zwei Prozent. Das Geschäft mit Mietsoftware aus der Internet-Cloud legte dabei um 30 Prozent zu auf 906 Millionen Euro. „Wir gewinnen Marktanteile gegenüber unseren Wettbewerbern“, erklärte Vorstandschef Bill McDermott. Nach einer Reuters-Umfrage hatten Experten im Schnitt ein etwas höheres bereinigtes operatives Ergebnis von 1,22 Milliarden Euro erwartet. Die Aktien des Dax-Konzerns lagen vorbörslich ein Prozent im Minus.

Das sind die Spitzenverdiener im Dax
Platz 30: Reinhard Ploss
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Von allen CEOs verdiente Reinhard Ploss im vergangenen Jahr am wenigsten. Der Vorstandschef von Infineon erhielt 2016 knapp über 2,3 Millionen Euro. Das sind rund 500.000 Euro weniger, als er noch 2015 bezog..

Quelle: Dr. Heinz Evers Vergütungsberatung für das Handelsblatt

Platz 29: Peter Terium
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3,49 Millionen Euro erhielt Peter Terium 2016 für sein Arbeit. 2015 verdiente der Vorstandsvorsitzende von RWE noch mehr als 5 Millionen Euro. Terium wechselte im Herbst zu der Tochter Innogy, in die RWE das Geschäft mit den Erneuerbaren Energien abgespalten hat.

Platz 28: Martin Zielke
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Nur 6000 Euro mehr als RWE-Chef Terium verdiente 2016 Martin Zielke. Im zurückliegendem Jahr kam er auf 3,496 Millionen Euro. Zielke wurde allerdings auch erst ab Mai Manager der deutschen Privatbank. 2015 verdiente er noch rund 2,4 Millionen Euro.

Platz 15: Tim Höttges
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Der Manger und Vorstandsvorsitzende der Deutschen Telekom verdiente 2016 rund 6,12 Millionen Euro. Damit konnte Tim Höttges sein Gehalt minimal steigern. 2015 erhielt er noch 23.000 Euro weniger.

Platz 14: Oliver Bäte
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Der Vorstandsvorsitzende der Allianz hat 2016 rund 6,2 Millionen Euro verdient. Im Vergleich zu 2015 konnte Bäte seinen Verdienst so deutlich steigern. Damals bekam er fast eine Million Euro weniger. Bäte wurde allerdings auch erst im Mai 2015 Chef.

Platz 13: Werner Baumann
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Der Manager ist seit Mai 2016 Vorstandsvorsitzender von Bayer. Seine erste wichtige Amtshandlung war das Übernahmeangebot von Bayer mit dem US-Saatgutriesen Monsanto. 2016 verdiente der 54-Jährige 6,4 Millionen Euro und landet damit auf Platz zehn. Sein Vorgänger Marijn Dekkers hatte 2015 eine fast genauso hohe Vergütung erhalten.

Platz 12: Frank Appel
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Seit 2008 ist Appel Chef der Deutschen Post. Der 55-Jährige studierte Chemie und Neurologie und arbeitete danach zunächst als Berater und Projektleiter bei McKinsey & Co. Im vergangenen Jahr verdiente er 6,6 Millionen Euro – ein Plus von rund 500.000 Euro.

Die fortschreitende Umstellung von traditionellen Softwarelizenzen zu Cloud-Programmen, die die Kunden über das Internet abonnieren, führt auch zu weiterem Umbau in der Belegschaft. Schon im vergangenen Jahr nahmen rund 3000 Mitarbeiter ein freiwilliges Abfindungsprogramm in Anspruch. In diesem Jahr stehen weitere Beschäftigte im Service vor der Wahl, sich auf die neue Technologie umzustellen oder zu gehen. Der Bereich hat zuletzt weltweit mehr als 14.600 Mitarbeiter, am Ende dürfte das Programm aber Schätzungen zufolge für weniger als 1000 Mitarbeiter greifen.

SAP-Finanzchef Luka Mucic erklärte, die zunächst auf nur 30 Millionen Euro angesetzten Restrukturierungskosten stiegen im Gesamtjahr voraussichtlich auf 250 bis 300 Millionen Euro. Den Ausblick für 2017 ließ SAP dennoch unverändert: Der bereinigte operative Gewinn soll um rund fünf Prozent auf 6,8 bis 7,0 Milliarden Euro steigen.

  • dpa
  • rtr
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