Mehr Zuschauer im ersten Halbjahr
Die deutschen Kinos schöpfen wieder Zuversicht

Der Horrorsommer für die deutsche Kinobranche wiederholt sich nicht. „Wir haben nach dem tiefen Tal des letzten Jahres eine Trendwende geschafft“, sagt Arne Schmidt, Sprecher der Kinokette Cinemaxx. „Es gibt ein positives Signal, vor allem im Mai und Juni“, bestätigt auch Jan Oesterlin vom Marktführer Kieft & Kieft („Cinestar“, „UFA“).

DÜSSELDORF. Die gestern vorgelegten Halbjahreszahlen der Filmförderungsanstalt (FFA) in Berlin schüren den Optimismus: Der Umsatz der von der Krise gebeutelten Branche stieg im ersten Halbjahr um sechs Mill. Euro auf 420 Mill. Euro. In den ersten sechs Monaten besuchten 72,3 Mill. Filmbegeisterte die rund 4 800 Filmtheatersäle in Deutschland, eine Million mehr als im Vorjahr. In den ersten sechs Monaten der Jahre 2002 und 2001 kamen allerdings noch jeweils rund 80 Millionen Zuschauer in die Kinos.

Für die positive Halbzeitbilanz war nach Meinung von Marktteilnehmern die Serie erfolgreicher Filme verantwortlich. So hat die Komödie „(T)Raumschiff Surprise“ des Pro Sieben-Stars „Bully“ Herbig am Wochenende die Grenze von sieben Millionen Zuschauern durchbrochen, teilte der Produzent Constantin Film mit. Aber auch Hollywood-Blockbuster wie „Harry Potter“ (Warner), „Troja“ (Warner) „Shrek 2“ (Dreamworks) und „Spiderman 2“ (Sony) ließen die Kassen der deutschen Kinos klingeln. „Wir haben in diesem Sommer eine Fülle guter Filme, die uns helfen“, sagte der Sprecher des Marktführer Cinemaxx. Selbst der TV-Zuschauermagnet des Sommers, die Fußball-Europameisterschaft in Portugal, konnte dem guten zweiten Halbjahr kaum etwas anhaben.

Letztes Jahr hatte der Mix aus erfolglosen Filmen, tropischen Sommertemperaturen und der allgemeinen Konsumzurückhaltung der Branche ein katastrophales Ergebnis beschert. So geriet die größte deutsche Kinokette Kieft & Kieft in finanzielle Schieflage und gehört seit einem halben Jahr dem australischen Freizeitkonzern Amalgamated Holdings Ltd., Sydney.

Auch der Wettbewerber Cinemaxx steht vor einem Wechsel. Der Filmhändler Herbert Kloiber (Tele-München-Gruppe) wird größter Einzelaktionär des börsennotierten Unternehmens. Auf der Hauptversammlung Ende Oktober soll der Deal abgesegnet werden. Die Zahl der Leinwände hat sich trotz der Branchenkrise laut FFA nur geringfügig auf 4 847 verringert. Brancheninsider erwarten aber einen weiteren Rückgang des Kinoangebots. „Die Kino werden weiter Ballast abwerfen“, prognostiziert ein Investor.

Für das Gesamtjahr ist die Branche optimistisch. Allein im Juli sei laut FFA ein Zuschauerplus von 80 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat verzeichnet worden. „Wir erwarten zum Jahresende einen ganz leichten Zuwachs“, sagte der Cinemaxx-Sprecher. Die Branche sieht die Pipeline mit potenziellen Publikumserfolgen gut gefüllt. Im zweiten Halbjahr startet das Historiendrama „Alexander“ von Oliver Stone („JFK“), die neue Komödie „Die sieben Zwerge“ von Otto Waalkes, und der Tom-Hanks-Streifen „Terminal“. „Es gibt aber keinen Grund zur Euphorie“, sagt der Kieft & Kieft-Sprecher. „Zum ersten Mal gibt es seit drei Jahren vor Weihnachten keinen Herrn der Ringe“, warnt ein Kinoimmobilien-Experte und dämpft damit den in der Vergangenheit oft zu großen Optimismus.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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