Mehrere Investoren zeigen Interesse
Überlebenschancen von BenQ Mobile steigen

Gute Nachrichten für die Mitarbeiter des insolventen Handyproduzenten BenQ Mobile: Nach Angaben des Insolvenzverwalters Martin Prager gibt es mehrere Interessenten für das schwer angeschlagene Münchener Unternehmen. Darüber hinaus kursieren Gerüchte um eine Übernahme der ehemaligen Konzernmutter in Taiwan.

jojo MÜNCHEN. Es gebe „recht konkrete Gespräche“, sagte eine Sprecherin des Juristen am gestrigen Dienstag. Ziel sei es, die Verhandlungen vor Weihnachten abzuschließen. In mit den Gesprächen vertrauten Kreisen hieß es, dass sich fünf Investoren um BenQ Mobile bemühen. Zu Details der Verhandlungen wollte sich die Sprecherin am Dienstag jedoch nicht äußern. Es sei keineswegs sicher, dass die Gespräche erfolgreich beendet würden. Nur eins steht derzeit fest: Bis zum Jahresende muss eine Entscheidung her, weil dann die Unterstützung durch das staatliche Insolvenzgeld ausläuft. Dann muss ein privater Geldgeber die Löhne und Gehälter bezahlen.

BenQ Mobile hat Ende September Insolvenz angemeldet, nachdem die Konzernmutter BenQ die Überweisungen an ihre hoch defizitäre Tochter in Deutschland einstellte. Deshalb verlieren jetzt 1 900 von 3 000 Mitarbeitern ihren Job. Die restlichen Beschäftigten an den zwei Standorten München und Kamp-Lintfort dürfen zwar vorerst weiterarbeiten. Doch von BenQ Mobile bleibt nur noch wenig übrig. Die eigene Marke wird ganz verschwinden. Stattdessen sollen die Mitarbeiter künftig Handys im Auftrag Dritter entwickeln und in kleinem Umfang auch noch produzieren.

Unterdessen haben ehemalige Mitarbeiter des Handy-Herstellers Strafanzeige gegen den Ex-Chef Clemens Joos und andere Manager gestellt. „Die Anzeigen gegen die Geschäftsführung werden im Zusammenhang mit den Ermittlungen wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung geprüft“, sagte der Münchener Oberstaatsanwalt Anton Winkler am Dienstag. Wie bereits in einem Teil der gestrigen Ausgabe gemeldet, ist Joos am Freitag von seinem Amt zurück getreten. Dieser Schritt habe aber nichts mit den Ermittlungen zu tun, sagte ein Sprecher von BenQ Mobile. Joos hatte den Job im Herbst vergangenen Jahres übernommen, nachdem BenQ das verlustreiche Geschäft vom Münchener Technologiekonzern Siemens geschenkt bekommen hatte. Zuvor war Joos bereits in führender Position bei Siemens.

Durch die hohen Verluste in Deutschland ist auch der BenQ-Konzern selbst in Turbulenzen geraten. Im dritten Quartal wies das Unternehmen einen Verlust von umgerechnet 293 Millionen Euro aus. In Taiwan gibt es seit Tagen Gerüchte, der angeschlagene Elektronikproduzent könnte von einem Wettbewerber übernommen werden.

Am Dienstag kletterte der Aktienkurs an der Börse von Taipeh deshalb um knapp fünf Prozent. In den vergangenen drei Handelstagen ging die Aktie insgesamt um elf Prozent nach oben. Damit liegt das Papier allerdings noch immer 42 Prozent unter dem Niveau vom Jahresanfang. In Taiwan wurde unter Anlegern über einen Einstieg des koreanischen Samsung-Konzerns oder der Hon Hai Precision Industry spekuliert. Samsung dementierte jedoch solche Pläne, und auch BenQ wollte nichts davon wissen.

Vergangene Woche war bereits das Gerücht aufgekommen, Samsung könnte bei BenQ Mobile einsteigen und sich damit ein Standbein in Deutschland aufbauen. Doch auch dies wurde von den Koreanern zurück gewiesen.

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