Meldungen zu Jobs' Gesundheitszustand: SEC knöpft sich Apples Chaos-Kommunikation vor

Meldungen zu Jobs' Gesundheitszustand
SEC knöpft sich Apples Chaos-Kommunikation vor

Die US-Börsenaufsicht SEC untersucht mögliche Irreführung der Anleger. Die Krankheit von Steve Jobs wird dabei zum Politikum.

DÜSSELDORF. Hat Apple gelogen? Die US-Börsenaufsicht SEC hat nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg eine Untersuchung über die Kommunikationspolitik der High-Tech-Legende eingeleitet. Es geht um widersprüchliche, kurz aufeinanderfolgende Meldungen zum Gesundheitszustand des CEO Steve Jobs. Mark Devlin, Spezialist für US-Wertpapierrecht bei der internationalen Kanzlei Linklaters in Frankfurt erklärte auf Anfrage: „Die Sache ist extrem kompliziert. Aber im Kern verbietet die SEC Rule 10b-5 'misleading statements' in Verbindung mit Wertpapiertransaktionen. Die zentrale Frage wird sein, ob Apple wissentlich etwas Falsches gesagt haben könnte.“

Wenn dies Apple zweifelsfrei nachgewiesen werden könnte, könnten Aktionärsklagen drohen. Bloomberg bezieht sich auf Informationen eines ungenannten Informanten. Der dürfe nicht identifiziert werden, da die Untersuchung nicht öffentlich bekannt sei. Apple nimmt zu den Berichten nicht Stellung.

Alles begann mit der Absage einer Keynote. Kurzfristig ließ Apple verlauten, dass Steve Jobs – nach elf Jahren – nicht mehr bei der Messe MacWorld in San Francisco auftreten werde. Lapidare Begründung: die Messe sei nicht mehr relevant. Zu diesem Zeitpunkt spekulierten Anleger und Medien längst über eine mögliche Erkrankung des charismatischen Unternehmensführers. Er hatte merklich an Gewicht verloren, was Befürchtungen aufkommen ließ, eine Krebserkrankung sei zurückgekehrt. Jobs gilt als treibende Kraft hinter vielen Produkten vom iMac bis zum iPhone. Sollte er als CEO ausscheiden, dürfte dies den Aktienkurs signifikant beeinflussen, glauben Wertpapieranalysten unisono.

Nur Tage nach der Vortragsabsage kam am 4. Januar 2009, dem Vorabend der MacWorld, der nächste Schuss der PR-Arbeiter: bei Jobs sei eine „hormonelle Störung“ diagnostiziert worden. Diese sei aber einfach zu behandeln, er brauche nur mehr Ruhe. Die Apple-Aktie stieg daraufhin kräftig.

Neun Tage später der Eklat: Steve Jobs gibt eine fünfmonatige Auszeit als CEO bekannt. Seine Erkrankung sei doch weit ernsthafter, was man erst jetzt erkannt habe. Die Apple-Aktie stürzt ab.

Für den Aktienrechts-Spezialisten Devlin ist die Aufregung verständlich. Er glaubt, dass ein solcher Fall normalerweise nicht an die große Glocke gehängt worden wäre. Aber durch die Finanzkrise stehe die SEC enorm unter Druck und reagiere besonders sensibel.

Wonach die Wertpapieraufseher suchen? Rechtlich gesehen ist die Lage kompliziert. Bislang ist noch kein Unternehmen gerügt worden, weil es den Gesundheitszustand des CEO verheimlicht hat. Nachdem etwa Intel-Chef Andy Grove den Konzern verlassen hatte, wurde bekannt, dass er schon länger an Krebs erkrankt war. Allerdings hatte Intel dazu auch nie Angaben gemacht.

Im Falle Apple hingegen könnte es anders aussehen: „Wenn ein Unternehmen schon etwas sagt, dann muss es auch korrekt sein“, so Devlin. Apple müsste eindeutig nachgewiesen werden, dass sie über eine wesentliche Tatsache eine falsche oder irreführende Aussage wissentlich verbreitet hätten. Dabei würden die meisten US-Gerichte bedingten Vorsatz einer wissentlichen Tat gleichstellen; auch grobe Fahrlässigkeit dagegen würde nicht ausreichen.

Das letzte Mal, dass Apple offen mit der SEC aneinander geriet, war 2006. Damals ging es um unzulässig rückdatierte Aktienoptionen. Durch diesen kleinen Kunstgriff flossen Apple-Managern zusätzliche hohe Kursgewinne zu.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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