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28.12.2007 

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Konzert der Kassierer: Wie tickt die Musikbranche wirklich? Wer ist an dem Milliardenspiel um Songs und Auftritte überhaupt beteiligt? Wer sind die wahren Gewinner?

Musik in Form von Bits und Bytes ist das Paradebeispiel eines Produkts, das sich einfach kopieren und billig über das Internet vertreiben lässt. Pioniere wie die Musiktauschbörse Napster hebelten zur Zeit des New-Economy-Booms binnen weniger Monate die Geschäftsgrundlage der gesamten Branche aus, den Verkauf von Tonträgern im klassischen Handel. Hinzu kam, dass die großen Labels – im Branchenjargon Majors genannt – zunächst mit Ignoranz reagierten. Sie überzogen die Tauschbörsen und deren Nutzer mit Klagen sowie immer neuen Varianten von Kopierschutz und digitalen Zuhörsperren. Sie bestraften abwandernde Kunden, statt sie mit Web-Angeboten zu locken. „Wir waren alle geblendet vom Boom“, sagt Michael Haentjes, Chef von Edel Music in Hamburg.

Es wird noch eine Weile dauern, bis die vielen kleineren Umsatzquellen, wie sie Led Zeppelin gerade erschließt, den sinkenden CD-Absatz abfangen. Doch die überlebenden Dinosaurier haben gelernt, dass das Internet nicht nur ein Weg ist, Musik zu verschenken, sondern dass die massenhafte Verbreitung von Musik ein wahres Dorado ungeschöpfter Chancen eröffnet.

Warner-Music-Chef Edgar Bronfman steckt seine Claims schon mal ab. In Süd-korea hat er sich mit dem führenden Telekomkonzern SK Telecom zusammengetan. Als Popstar Baek Ji Young ihr jüngstes Album veröffentlichte, kamen bereits zwei Drittel der Umsätze aus digitalen Produkten. Warner schnürte rund um die Sängerin ein Bündel aus 416 einzelnen digitalen Häppchen, vom vollständigen Song bis zu Klingeltönen und Bildschirmschonern. So lassen sich auf lange Sicht die Verluste durch illegale Downloads ausgleichen.

„Es geht darum, dem Kunden im digitalen Zeitalter völlig neue Zugänge zur Musik zu verschaffen“, sagt Bronfman. „Aus der Veröffentlichung einer Platte wird ein ganzes Paket aus Video, Songtexten, einem Blick hinter die Kulissen, Blogs, einer Vorschau auf bevorstehende Events sowie Möglichkeiten, direkt in Kontakt zu treten mit dem Künstler. Musikkonzerne haben noch eine ganze Menge Möglichkeiten – die Nachrichten über unseren Tod sind reichlich übertrieben.“

„Und man darf ja eines nicht vergessen“, fügt Bronfman hinzu, „der Verkauf von Musik im Internet und über Mobiltelefone ist noch weit entfernt von der Volljährigkeit.“ In den USA ist das Geschäft mit digitalen Downloads in diesem Jahr um 46 Prozent gewachsen. Zum Ende des Jahres knackt die Industrie voraussichtlich die Eine-Milliarde-Dollar-Marke – das entspricht schon zehn Prozent des gesamten Geschäfts. In Deutschland stieg der Umsatz mit legalen Musikdownloads und mobiler Musik binnen fünf Jahren von weniger als zehn auf fast 120 Millionen Euro. PWC erwartet 400 Millionen Euro bis 2011.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: Discounter verkaufen Schlagzeuge, elektrische Gitarren und Synthesizer

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