Das Geschäft mit der mobilen Musik für Handys nähert sich in diesem Jahr ebenfalls einer Milliarde Dollar Umsatz – allein in den USA. Apple verkaufte dort schon mehr als eine Million seiner iPhones. In Europa betreibt Vodafone die zweitgrößte Musikdownload-Plattform hinter iTunes. Und auch der Gerätehersteller Nokia sorgt für Schwung und bringt 2008 Geräte auf den Markt, die ein Jahr lang freien Zugriff auf den kompletten Katalog von Universal erlaubt – eine Flatrate für Musik.
Und die Voraussetzungen für eine Renaissance waren nie besser. Musik wird immer öfter und intensiver gehört. „Sie ist die stärkste Droge der Welt“, sagt der Philosoph Norbert Bolz. Discounter wie Aldi verkaufen Schlagzeuge, elektrische Gitarren und Synthesizer. In U-Bahnen und Bussen tragen fast alle jüngeren Leute Kopfhörer – oder rauben Mitreisenden mit den Klingeltönen ihrer Handys den Nerv. In Videospielen und Medien sorgen Rock und Pop für suchtförderndes Grundrauschen. Im Fernsehen drehen sich immer mehr Sendungen um Möchtegern-Popstars. Nachrichten, Reklame oder Kinofilme, die Hintergrundmusik in Restaurants und auf öffentlichen Plätzen verschwimmen zu einer Klangkulisse. „Man wird für einen Raum ohne invasive Zwangsbeschallung allmählich wirklich dankbar“, sagt sogar Blixa Bargeld, Chef der Kultband Einstürzende Neubauten.
Zur Überdosis an Musik kommen noch die immer vielfältigeren Möglichkeiten des Einzelnen, sich den Soundtrack seines Lebens selbst zu komponieren. Musik ist stärker gruppenbildend denn je. „Fast jedes Mitglied in Internet-Communities wie MySpace definiert sich über seine Lieblingsmusik“, sagt Musikverleger Mark Chung.
Diese – für die Majors zunächst wenig einträgliche – Zersplitterung der Musikszene rund um MySpace und YouTube, die täglich neue Sternchen in der Hörergunst nach oben spülen, war der Trend der vergangenen zwei Jahre. Nun ist die Branche aufgewacht, die Komplexität wird kommerzialisiert. Und zwar von einer Vielzahl oft einst musikfremder Unternehmen. „Die Mitspieler und ihre Modelle sind inzwischen genauso vielfältig wie die Musik“, urteilt Stefan Zarges, Chefredakteur vom Branchenmagazin „Musikmarkt“: „Die alte Welt ist noch nicht ganz weg und die neue noch nicht ganz da.“
Vom Computerkonzern Apple im kalifornischen Cupertino über Künstler wie Madonna in New York und die Einstürzenden Neubauten unterwegs in Tokio, Discjockeys wie Blank und Jones in Toronto, aber auch Plattenfirmen wie Universal in Berlin und Dienstleister wie Edel in Hamburg – alle arbeiten an einer Zukunft, die längst begonnen hat. Eine Reise durch die neue Welt der Musik:
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