Cupertino
Das ist also der Ort, an dem es gelungen ist, aus Blei Gold zu machen – die früher meist illegalen Gratis-Downloads in den Kauf teurer Musiktitel zu verwandeln. Number 1 Infinite Loop, Cupertino. Hell und luftig wirken die sechs Gebäude des Apple-Hauptquartiers im Norden Kaliforniens.
Doch auch wer die – wörtlich übersetzt – unendliche Schleife um den Komplex stundenlang befährt, kriegt nichts davon mit, was sich hinter den Fassaden abspielt. Aus der Vogelperspektive ähnelt der Bau einem römischen Theater. In der Mitte ist die Bühne für Apple-Chef Steve Jobs. In der Aula hat er – wie üblich in Jeans, Turnschuhen und schwarzem Rolli – im Oktober 2001 seinen Leuten einen Musikspieler namens iPod vorgestellt, mit 130 Millionen verkauften Exemplaren heute das Symbol für mobiles Musikhören schlechthin. Gut ein Jahr später startete der Online-Musikladen iTunes. Gerade holte Jobs mit dem iPhone zum nächsten Schlag aus. Apples Musikgeschäft ist eine Goldgrube. Konkurrenten schätzen, dass allein die vier Milliarden Downloads in den vergangenen vier Jahren für 1,2 Milliarden Dollar Umsatz und 600 Millionen Gewinn gesorgt haben.
Warum kaufen sich so viele Menschen einen bis zu 398,90 Euro teuren iPod und löhnen für jeden Download? Weil Jobs ihnen etwas dafür bietet, dass sie die freie Welt des Internets gegen die geschlossene Gesellschaft von iTunes tauschen: ein schickes Gerät und einen einfachen Zugang durch die zersplitterte Welt der Musik im Internet. Das ist der Trick von Jobs.
Sein Erfolg lockt nun andere Größen der Online-Wirtschaft an. Etwa den Versender Amazon. „Mit ihrer Marke, ihrem Kundenstamm und ihrem Geld sind sie der erste echte Gegner für Apple“, sagt Mark Mulligan, Analyst des Marktforschers Jupiter Research. Da die Amazon-Downloads gut zehn Prozent billiger sind als die von Apple, erwartet Mulligan einen Preisrutsch. Und dass einzeln bezahlte Musikstücke – wie bei Telefongesprächen über das Festnetz – einer Art Flatrate weichen.
Dabei könnte ein Standard-Service die Masse der Musikhörer aus der Illegalität locken. Sie bekommen für eine Handvoll Euro pro Monat eine große, aber begrenzte Auswahl in der heute üblichen Auflösung und müssen dafür gelegentliche Werbe-Einblendungen hinnehmen. Ältere Fans könnten ab geschätzten zehn Euro im Monat den kompletten Musikkatalog in einer höheren Auflösung abonnieren. „Das Geld könnten entweder die Online-Händler einziehen oder aber die Betreiber von Handynetzen und Internet-Zugängen auf die Grundgebühren aufschlagen“, sagt PWC-Experte Mackenroth.
Analyst Mulligan sieht am Ende auch hier Apple vorn: „Intern bereiten die garantiert etwas Ähnliches vor.“ Nach dem Motto, „man muss nicht der Erste sein, wenn man der Beste ist“, könnte am Ende die gewohnte Nutzerfreundlichkeit von Apple den Ausschlag geben.
Ob dieses Online-Geschäft der zweiten Generation allein ausreicht, um die Musikbranche über Wasser zu halten? Mega-stars wie Madonna wollen sich darauf nicht verlassen. Sie entwickeln eigene Tricks.
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