0 Bewertungen
28.12.2007 

Für eine größere Ansicht der Grafik klicken Sie bitte auf das Pluszeichen.Lupe

Wie viele Songs in Deutschland aus dem Internet heruntergeladen werden.

New York

Die Einladung klang verführerisch: „Come and see Madonna’s candy“ stand laut Insidern auf der mit roten und grünen Herzchen-Lutschern verzierten Karte, mit der Madonna Anfang vergangener Woche Manager von Warner Music ins Bürogebäude an der Rockefeller Plaza bat. Die Herren durften den Klängen von Madonnas neuem Album lauschen. Es soll im April erscheinen und „Give it to me“ heißen.

Den Wunsch der Dame erfüllt künftig ein anderer. Nach ihrer insgesamt 21. CD lässt sich die Pop-Königin nicht mehr von Warner, sondern vom Konzertveranstalter Live Nation vermarkten. Der garantiert ihr innerhalb von zehn Jahren 120 Millionen Dollar in bar und Aktien und darf dafür Musik und Gesicht des nach einem ihrer Hits „Material Girl“ getauften Stars vermarkten, etwa wenn Textilketten wie H&M eine Madonna-Kollektion vorstellen.

Damit schockte die fast 50-Jährige die Musikwelt deutlich stärker als mit ihrem Erotikbildband „Sex“. Erstmals schnappt sich ein Branchenfremder ein Zugpferd der Plattenindustrie: „Die Verhältnisse im Musikgeschäft wandeln sich gerade“, sagt Madonna, „da muss ich als Geschäftsfrau zusehen, dass ich am Ball bleibe.“ Ihr Trick: Sie schöpft ihr Markenpotenzial vor allem durch Live-Konzerte noch besser aus – und holt sich dazu als Partner statt eines Labels einen Veranstalter ins Boot. Die Zahlen geben ihr recht: Beim Umsatz haben Ver- anstalter die Plattenkonzerne weitgehend überholt. In diesem Jahr werden etwa die Deutschen rund zwei Milliarden Euro für Konzertkarten ausgeben – und nur 1,8 Milliarden für Tonträger. Die Stars verlangen nicht nur im Schnitt gut zwei Drittel mehr für die Tickets als im Jahr 2000. Für Fans, die ihren Idolen besonders nah sein wollen, schnüren sie VIP-Pakete ab 1 000 Euro und gewähren dafür Sitze direkt an oder gar auf der Bühne und einen Empfang mit den Musikern.

Eine Schmerzgrenze sieht Klaus-Peter Schulenberg, Chef des größten europäischen Konzertveranstalters und Ticketvermarkters CTS Eventim, nicht: „Die entscheidende Frage lautet: Ist der Künstler heiß?“ Mit der Temperatur steigen die Preise: Die kanadische Pop-Sirene Celine Dion verlangt bei ihrer für den kommenden Sommer angekündigten Deutschland-Tour bis zu 450 Euro – Herbert Grönemeyer nimmt im Höchstfall knapp 180 Euro.

Damit dürfte die Rechnung von Live-Nation-Chef Michael Rapino aufgehen. Er kalkuliert einen Umsatz von einer Milliarde Dollar während der zehnjährigen Laufzeit des Madonna-Kontraktes. Vier Welttourneen sollen 800 Millionen Dollar bringen, drei CDs deutlich mehr als 100 Millionen Dollar und den Rest Werbeverträge sowie Fanartikel oder ein Madonna-Parfüm.

Zwar will CTS-Chef Schulenberg den Live-Nation-Vorstoß nicht kopieren. Doch auch Europas Marktführer geht neue Wege: Damit seinem Betrieb nicht die Künstler ausgehen, wenn die Kassenschlager von heute abtreten, will er die von morgen aufbauen: „Auf unserer Internet-Seite können sich ab dem kommenden Jahr junge Bands darstellen und bekannt machen.“ Außerdem plant er noch immer den schon einmal verschobenen Neustart einer eigenen Download-Plattform. Wer dort genug Fans anlockt, kann mit einer Tournee rechnen.

Lesen Sie weiter auf Seite 6: Berlin

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige
Anzeige

weiterTechnologie

Nokia will das Internet neu definieren  Artikel in Merkliste

02.12.2008Nokia will mit dem N 97 neue Märkte erobern. Foto: Reuters

Die einst so wachstumsstarke Mobilfunk- und Handybranche stellt sich erstmals seit 2001 wieder auf magerere Zeiten ein – und sucht nach neuen Einnahmequellen. Der Branchenprimus Nokia baut auf das Internet und weitet sein Produktsortiment mit einem neuen Alleskönner aus: dem N 97. Artikel


Anzeige