Micron im Visier
Chinesen wollen sich US-Chiphersteller schnappen

Ein staatlicher chinesischer Konzern will offenbar den US-Chiphersteller Micron für mehr als 20 Milliarden Dollar kaufen. Für China wäre das die bisher größte Firmenübernahme in den USA – und ein Technologiesprung.
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Peking/San FranciscoIn der Chip-Branche bahnt sich Insidern zufolge die bisher größte Übernahme eines US-Konzerns durch ein chinesisches Unternehmen an. Die von der Regierung in Peking gestützte Tsinghua Unigroup wolle Micron Technology 23 Milliarden Dollar anbieten, sagten mit der Angelegenheit vertraute Personen. Das Vorhaben könne schon am Mittwoch bekanntgegeben werden.

Ein Micron-Sprecher erklärte allerdings am Dienstag, es sei kein Gebot eingegangen. Micron mit Sitz in Idaho ist in den USA der letzte große Hersteller sogenannter DRAM-Chips, die in PCs laufen. In China würde die Übernahme die Position von Tsinghua als Vorreiter der Technologie-Branche stärken. In der Welt-Liga der Chip-Hersteller spielt China bisher nicht mit.

Doch die Volksrepublik strebt nicht zuletzt aus Furcht vor Cyber-Spionage eine eigenständige Chip-Produktion an. Dabei kommt Tsinghua Unigroup eine zentrale Rolle zu. Das Unternehmen ist aus einer Beteiligungsgesellschaft hervorgegangen und wird von der angesehenen Tsinghua Universität in Peking kontrolliert. Im vergangenen Jahr mauserte es sich durch den Kauf zweier chinesischer Halbleiter-Firmen zum Chip-Konzern und ging seitdem milliardenschwere Partnerschaften mit Intel und HP ein, um Chinas Kompetenz auf dem Gebiet auszubauen.

Weltmarktführer Samsung Electronics sowie Rivale SK Hyinx – beide aus Südkorea – produzieren zwar in der Volksrepublik. Keiner der Branchengrößen der Chip-Industrie hat aber seinen Sitz in China. Micron produziert neben PC-Chips auch sogenannte NAND-Halbleiter, die in zukunftsträchtigeren Mobilgeräten wie Smartphones zum Einsatz kommen.

Unternehmen aus dem aufstrebenden Schwellenland sind in der Vergangenheit wiederholt auf Einkaufstour in den USA gegangen. So erwarb der weltgrößte Computer-Hersteller Lenovo unlängst von Google den Handy-Hersteller Motorola und von IBM die Server-Sparte. Über die Pläne von Tsinghua berichtete am Dienstag zunächst das „Wall Street Journal“.

Sollte es tatsächlich zu einer Offerte kommen, dürften sowohl die Behörden in den USA als auch in China den Deal genau unter die Lupe nehmen. In den USA wird es um Fragen der nationalen Sicherheit gehen, in China um die Genehmigung für milliardenschwere Investitionen im Ausland.

Micron-Aktien notierten in den USA vorbörslich fast 13 Prozent im Plus. Die Tsinghua-Offerte würde einem Aufschlag von gut 19 Prozent auf den Schlusskurs von Montag entsprechen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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