Microsoft gegen Dropbox & Co.
Preiskrieg in den Datenwolken

Microsoft heizt den Preiskrieg an: Der Software-Konzern bietet Kunden seiner Office-Software unbegrenzt Speicherplatz in der Datenwolke. Das ist eine Kampfansage an Google und Amazon – und noch viel mehr an Dropbox.
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DüsseldorfEs war eine Kriegserklärung per Pressemitteilung. Microsoft hat Montagabend angekündigt, den Abonnenten seines Online-Dienstes Office 365 unbegrenzt Speicherplatz auf seinen Servern zur Verfügung zu stellen. Es sei das „Ende aller Speicherprobleme“, erklärte der Software-Konzern vollmundig. Damit heizt er den Preiskrieg um die Datenwolke weiter an, in dem Start-ups wie Dropbox und Box zu den großen Verlierern gehören.

Wer Office 365 abonniert, erhält künftig unbegrenzt Speicherplatz bei Onedrive – bisher war ein Terabyte inklusive. Damit wird die Ablage in der Cloud zu einem Extra für Word, Excel & Co, das in der Abogebühr von zehn Euro monatlich enthalten ist. Zum Vergleich: So viel verlangt Dropbox derzeit für einen Terabyte Speicher ohne irgendwelche Zusatzfunktionen. „Der Wettbewerb um den größten Cloud-Speicher zum günstigsten Preis ist beendet“, erklärt Thorsten Hübschen, verantwortlich für das Office Geschäft bei Microsoft Deutschland.

In den vergangenen Monaten hatten mehrere Anbieter die Preise für Onlinespeicher massiv gesenkt. Unbegrenzte Kapazität bietet Google bereits Firmenkunden, die für zehn Dollar im Monat die Anwendungen „Apps for Business“ nutzen. Auch Apple mischt sich mit seinem Dienst iCloud Drive in den Kampf ein, 200 Gigabyte kosten vier Dollar pro Monat. Darauf mussten die Start-ups reagieren: Dropbox verzehnfachte den Platz für Abonnenten des Pro-Paketes auf einen Terabyte, Box bietet Firmenkunden unbegrenzt Speicher.

Der jüngste Schritt des Windows-Konzerns stellt die Frage, wie viel Online-Speicher überhaupt wert ist. Die IT-Riesen sehen Cloud-Dienste als eine Möglichkeit, Kunden an sich zu binden. Geld verdienen sie mit anderen Dingen – Apple mit Geräten, Microsoft mit Software, Google mit Werbung. Die Kosten für die Cloud sind für die Konzerne letztlich Marketingausgabe, die dank der sinkenden Hardware-Preise immer weniger ins Gewicht fallen.

Für Dropbox und Box wird es indes immer schwieriger, Geld zu verdienen. Beide Start-ups wollen sich damit abheben, dass ihre Dienste auf möglichst vielen Geräten und in möglichst vielen Programmen verfügbar sind – sie sollen die Daten auf allen Bildschirmen vom Smartphone bis zum Fernseher synchronisieren und sie als Infrastruktur des Cloud-Zeitalters dienen. Gerade Dropbox steht unter Druck: Der Dienst von Gründer Drew Houston ist vor allem bei Verbrauchern beliebt, die stärker auf die Preise schielen als Unternehmen. Box zielt stärker auf Firmenkunden ab.

„Die reiferen Firmen haben viel Geld, mit dem sie diese Preiskriege entfesseln können“, sagte der Software-Experte Mark McCaffrey von der Beratungsfirma Pricewaterhouse Coopers (PWC) der US-Zeitung „San Jose Mercury News“. Das bedeute, dass nicht unbedingt die bessere Technologie gewinne – die hätten nämlich oft die Start-ups.

Beide Start-ups haben riesige Summen Risikokapital eingesammelt (siehe Infokasten) und stehen somit unter Druck, den Geldgebern ihr Investment zurückzuzahlen, etwa über einen Börsengang. Doch der Preiskampf durchkreuzt diese Pläne: Box hat zwar im März den Gang aufs Parkett angekündigt, ihn aber immer noch nicht angetreten. Auch der Börsengang von Dropbox steht in den Sternen. Womöglich könnte am Ende doch ein Verkauf an einen der Konzernen stehen.

Vielleicht hatte Steve Jobs doch recht: Der inzwischen verstorbene Apple-Gründer wollte 2009 Dropbox übernehmen und beschied die Gründer damit, das Start-up biete ein Feature, kein Produkt.

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