Microsoft greift nach Yahoo: Gates demonstriert Schwäche

Microsoft greift nach Yahoo
Gates demonstriert Schwäche

So manch ein Beobachter reibt sich leicht verwundert die Augen. Fast 45 Mrd. Dollar will Microsoft in die Hand nehmen, um Yahoo zu kaufen. Und die Offerte kommt just zu einem Zeitpunkt, an dem der Software-Riese im Kerngeschäft mit Computerprogrammen so stark ist wie lange nicht mehr. Das lässt Raum für Spekulationen.

FRANKFURT. So kann das Angebot für Yahoo auch als ein Zeichen für die Schwäche von Microsoft interpretiert werden. Zwar braucht Microsoft den Internet-Konzern auf den ersten Blick nicht zwingend. Die jüngsten Quartalszahlen belegen: Der Verkauf des Betriebssystems Vista oder der Bürosoftware Office läuft gut. Doch offensichtlich mögen die Microsoft -Manager dem dauerhaften Erfolg ihrer Kernprodukte nicht so recht vertrauen. Also muss etwas Neues her, das Internet.

Doch auch hier scheint es mit dem Vertrauen in die eigene Innovationskraft nicht zum Besten bestellt zu sein. Das überrascht nicht: Satte zehn Milliarden Dollar hat Microsoft in den vergangenen Jahren in den Aufbau eigener Internet-Aktivitäten gesteckt. Doch der Erfolg ist mäßig. Nun soll es die Übernahme von Yahoo richten. Und es gibt in der Tat einige Fakten, die für einen solchen Schritt sprechen.

Da ist zunächst die Internetsuche: Im Netz zählt Größe. Nur wer die kritische Masse an Besuchern hat, kann auch Online-Werbung vermarkten. In den Augen einiger Analysten würde Microsoft zusammen mit Yahoo diese Größe erreichen, auch wenn sie weiter hinter Google her rennen müssten. "Microsofts langjähriges Interesse in an der Suche ist das Fundament für die Offerte", schreibt Charlene Li vom Marktforscher Forrester Research. Aber, so ergänzt sie, es geht noch um weitaus mehr.

Es geht vor allem um das Kerngeschäft von Microsoft. Das Geschäftsmodell des Konzerns - der Vertrieb von Software zur Installation auf Rechnern - wackelt. Künftig, so sagen Experten voraus, würden Computerprogramme online zur Verfügung gestellt. Selbst Betriebssysteme würden überflüssig, das Netz rückt an ihre Stelle. Gleichzeitig steuert Software den Zugang zum Netz, ist entscheidend für alle möglichen Dienstleistungen im Netz.

"Software und Internet können wirtschaftlich kaum mehr getrennt betrachtet werden", sagt Michael Dietrich, Kartellexperte der Anwaltssozietät Taylor Wessing, und ergänzt: "Damit stellt sich die Frage, wie eine Kombination von Microsoft und Yahoo, die in ihren jeweiligen Bereichen eine starke Stellung einnehmen, von den zuständigen Kartellbehörden bewerten wird."

Aus Microsoft -Sicht wäre eine Übernahme mit Yahoo ein wichtiger Schritt. Der Software-Konzern hätte damit die Möglichkeit, sein Geschäft abzusichern und auszubauen. So könnte er bei Privatkunden im Netz aufholen, etwa bei der Suche mit Yahoo, die als Standardsuche in den weit verbreiteten Internetbrowser integriert werden könnte.

Dagegen hätte Yahoo mit Microsoft einen Brückenkopf in die kleineren und mittelständischen Firmen und könnte neue Dienste wie Bürosoftware offerieren. Das ist für Forrester-Analystin Li der zweite Grund für Microsoft?s Angriff. "Das ist die eigentliche Bedrohung durch Google - die Fähigkeit, die Kundenbeziehung bei der Suche in neue Geschäfte zu übertragen, etwa internetbasierte Software, was langfristig die Position von Microsoft untergraben würde", sagt sie.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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