Microsoft
Mr. Ballmer, übernehmen Sie

Alle Augen der Computerbranche werden auf Steve Ballmer gerichtet sein. Der Microsoft-Chef eröffnet am heutigen Mittwoch die Branchenshow CES. In seiner Rede wird er erklären müssen, wie der Softwareriese mit der nächsten Generation seines Betriebsystems Windows punkten will – und ob der Nachfolger nicht deutlich früher auf dem Markt kommt als gedacht.

SAN FRANCISCO. Es ist eine kleine Zäsur, fast schon ein historischer Moment. Nach langen Jahren wird die wichtige Branchenmesse Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas nicht von ihm, der großen grauen Eminenz der Computerindustrie eröffnet. Nicht Microsoft-Gründer Bill Gates, sondern sein Nachfolger an der Führungsspitze, Steve Ballmer, wird die Keynote, die wegweisende Schlüsselrede, zur Messeeröffnung halten. Die Vorzeichen könnten günstiger für seinen großen Auftritt sein – und dabei muss man noch nicht einmal an die Finanzkrise denken. Microsoft hat auch so genug Aufgaben, die der Riese aus Redmond lösen muss. Die wichtigste heißt: Windows.

Weltweit läuft das Betriebssystem zwar auf geschätzt neun von zehn Rechnern, aber der Motor von Microsofts Schlüsselprodukt ist ins Stottern geraten. Schuld: Windows Vista. Die jüngste Windows-Version, die im Januar 2007 für Privatkunden erhältlich wurde, hat viele Nutzer verprellt. Obwohl der Veröffentlichungstermin mehrfach verschoben worden war, haderten viele User vor allem mit großen Kompatibilitätsproblemen und einer ungewohnten Programmstruktur.

Microsoft hat das Problem noch vor dem Release des Programms kommen sehen. Bereits 2004 schrieb der damalige Windows-Chef Jim Allchin eine Brand-Email an Gates und Ballmer. Tenor: Die Company habe den Kunden und die Entwicklungsteams von Vista die Stabilität eines Betriebssystems aus dem Blick verloren. Im Herbst 2005 marschierte Allchin, so berichtete zumindest damals das Wall Street Journal, ins Gates Büro, wo er dem verdutzten Microsoft-Chef einen folgenschweren Satz gesagt haben soll: „Es (Vista) wird nicht funktionieren.“

Kein Wunder also, dass vor allem viele Firmenkunden Microsofts Vista lieber im Regal stehen ließen als die Software auf den Rechnern zu installieren. Auch wenn an Vista nicht alles schlecht ist: Unbestritten ist bei vielen Experten, dass die Marke Windows durch die Querelen Schaden genommen hat. Und durch die jüngsten Erfolge von Microsofts Erz-Konkurrenten Apple ist es nicht gerade besser geworden, wie etwa Benjamin Romano, Technologie-Spezialist der „Seattle Times“ schreibt. Hinzu kommt noch, dass Webbrowser fürs Internet langfristig die Funktion eines Betriebssystems übernehmen könnten. Sind doch immer mehr Softwareanwendungen wie Email-Programme oder gar Textverarbeitungen im Netz zu finden. Nicht zu vergessen: Die Finanzkrise gibt es ja auch noch.

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