Microsoft will die Spracherkennung in seinen Software-Produkten ausbauen. Deshalb kauft der Branchenprimus den kalifornischen Spezialisten Tellme.
MÜNCHEN. Das Geschäft bestätigte Microsoft am Mittwoch. Tellme Networks Inc. ist ein Anbieter von Sprachlösungen für netzbasierte oder mobile Dienste mit Sitz in dem Silicon-Valley-Städtchen Mountain View. Dort befinden sich auch der Stammsitz von Google und die kalifornische Niederlassung von Microsoft. Von dem Deal berichteten sowohl das Wall Street Journal wie auch der US-Dienst Cnet. Dem Vernehmen nach soll es sich um eine Übernahmesumme von 800 Mill. Dollar handeln. Dies wurde von Microsoft bisher nicht bestätigt.
Tellme gilt in der Branche als anerkannter Spezialist von Sprachverarbeitung, die vor allem in Telefondiensten eingesetzt wird. Bekannte Kunden sind beispielsweise der Paketdienst Fedex, die Fluglinie American Airlines und der Kartenanbieter American Express. Sie setzen die Technik von Tellme in ihren automatisierten Telefonsystemen ein.
Tellme ist auch sehr stark bei der Entwicklung der Plattform Voice-XML engagiert, mit der ein Standard für sprachgesteuertes Surfen gesetzt werden soll. Mit der Technik lassen sich zum Beispiel Informationen aus dem Internet über das Telefon recherchieren. Derzeit arbeitet Tellme an einer Reihe neuer Produkte im Bereich Mobilfunk. An beiden Einsatzbereichen ist Microsoft in hohem Maße interessiert.
Mit der nun verkündeten Übernahme kann Microsoft seine Bemühungen verstärken, netzbasierte Sprachdienste in seine Produkte zu integrieren. So könnten die Tellme-Dienste in das mobile Betriebssystem Windows Mobile eingebaut werden, dessen jüngste Version vor kurzem auf der Handymesse 3GSM in Barcelona vorgestellt wurde. Aber auch das neue Betriebssystem Vista könnte von der Übernahme profitieren. Dessen Spracherkennung steht nach Beobachtung von Branchenkennern noch auf schwachen Beinen.
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Am Stammsitz von Microsoft in Redmond ist Jeff Raikes als President der Business Division auch für das Thema Sprachverarbeitung verantwortlich. Erst vor kurzem stellte Raikes auf der Fachkonferenz Voice Con in Orlando, Florida, die Pläne des mächtigen Software-Hauses zum Thema Sprachdienste vor. Dabei zeigte er erstmals Betaversionen des Microsoft Office Communication Server 2007 und Office Communicator 2007. Bei diesen Produkten geht es vor allem darum, die Kommunikation in Unternehmen durch Verbesserungen des Telefonierens über das Internet (VoIP) zu fördern. Neben diesem Einsatzgebiet sind noch die Nutzung der Spracherkennung in Handys und das sprachgesteuerte Suchen im Internet von strategischer Bedeutung.
Bei Tellme Networks ist Gründer und CEO Mike McCue die treibende Kraft. Er kam vom früheren Browser-Primus Netscape und dem Startup Paper Software, das er ebenfalls gründete. McCue gilt in der Branche als Spezialist für Automatisierung von Sprach- und Suchdiensten. Für Marktbeobachter war es nur eine Frage der Zeit, wann Tellme entweder durch Google oder Microsoft übernommen werden würde.
Bei der Spracherkennung für die Nutzung am Arbeitsplatz sind derzeit drei Software-Pakete auf dem Markt: Dragon Naturally Speaking 9 von Nuance, Voice Pro 11 von Linguatec und IBM Via Voice, das von Nuance vertrieben wird. Alle Produkte stehen nun in einem gewissen Wettbewerb mit der Spracherkennung, die in Microsofts neuem Betriebssystem Vista eingebaut ist. Die Produkte von Tellme dagegen sind stärker an Automatisierung von Sprachvorgängen im Business-Umfeld orientiert. Bei Produkten für Call Center ist aber auch Nuance ein Wettbewerber.

