Nach Einschätzung mehrerer Analysten ist der mühsame und unsichere Weg über den Verwaltungsrat die einzige Möglichkeit Ballmers, Yahoo gegen den Willen des Managements zu übernehmen. "Sie können mit ihrem Angebot nicht direkt an die Aktionäre herantreten, weil Yahoo ein Programm zum Schutz gegen feindliche Übernahmen aufgelegt hat", sagte Jeffrey Lindsay von Sanford C. Bernstein. Das Board hat das Recht, bei einem feindlichen Gebot eine unbegrenzte Anzahl an zusätzlichen Aktien auszugeben. Dadurch könne ein Angreifer nie die Mehrheit der Anteile erwerben, solange er nicht den Verwaltungsrat kontrolliere. Eine Yahoo-Sprecherin wollte dies nicht kommentieren.
Das Yahoo-Management hat somit noch ein wenig Zeit, sich nach Alternativen umzusehen. Berichten zufolge verhandelt das Unternehmen mit AOL, der Tochter des Medienkonzerns Time Warner. Demnach sollen Yahoo und AOL zusammengelegt werden, Time Warner würde im Gegenzug einen Anteil von 20 Prozent an dem kombinierten Unternehmen bekommen.
Daneben testete Yahoo eine begrenzte Zusammenarbeit mit dem Internet-Rivalen Google. Diese Bemühungen erhielten am Mittwoch allerdings einen Rückschlag. Google gab bekannt, dass das US-Justizministerium gleich in zwei Fällen wegen wettbewerbsrechtlicher Verstöße gegen die beiden Unternehmen ermittelt. Neben dem Test geht es dabei auch um einen Anruf von Google-Chef Eric Schmidt bei Yang von Anfang Februar. In diesem Gespräch hatte er dem Yahoo-Chef Medienberichten zufolge seine Unterstützung bei der Abwehr der Microsoft
-Übernahme angeboten.
Doch auch der Druck auf Ballmer nimmt zu. Immer mehr Microsoft
-Aktionäre fordern, die Übernahme schnell über die Bühne zu bringen, da die Verzögerungen den Aktienkurs belasten. Dieser hat seit Anfang Februar rund sechs Prozent verloren.

