Microsoft verlässt Salo
In der Nokia-Stadt stirbt die Hoffnung

Seit in den 1970er Jahren eines der ersten Nokia-Werke im finnischen Salo gebaut wurde, ist die Stadt von der Handyindustrie geprägt. Doch jetzt droht dem Standort das Aus. Die Menschen haben Angst vor der Zukunft.
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HelsinkiGerade einmal ein gutes Jahr ist es her, da keimte im südfinnischen Salo noch einmal so etwas wie Hoffnung auf. Der US-Softwaregigant Microsoft machte damals die Übernahme der angeschlagenen Handysparte des einstigen Weltmarktführers Nokia perfekt. Nicht wenige der 54.000 Einwohner dachten, dass es jetzt nach mehreren Rückschlägen wirtschaftlich in ihrer Region wieder aufwärtsgehen könnte.

Doch im Sommer 2015 ist jeder Optimismus verpufft. Microsoft hat zum Kahlschlag im Handygeschäft angesetzt. Und der macht auch vor der einstigen Nokia-Hochburg Salo nicht Halt. Dem Standort droht das Aus. „So schlimm hat es sich noch nie angefühlt, hier zu leben“, sagt Maria Gustafsson.

Seit 20 Jahren wohnt sie in Salo. Hier wurde in den 1970er-Jahren eines der ersten Nokia-Werke eröffnet. Die Kleinstadt blühte auf, Tausende Jobs entstanden. Mit dem Aufstieg Nokias kam der Wohlstand. Doch dann hängten Apple und Samsung mit ihren Smartphones Nokia ab. Finnlands Elektronikindustrie geriet ins Hintertreffen. Parallel brach auch noch die weltweite Nachfrage nach Papierprodukten ein, was einen weiteren zentralen Wirtschaftszweig Finnlands traf. Und die Europäische Union verhängte im Zuge der Ukraine-Krise Sanktionen gegen Russland, einen der wichtigsten Handelspartner des skandinavischen Landes.

Seit drei Jahren steckt Finnland nun in der Rezession. Hohe Arbeitslosigkeit und die Angst, wie es weitergehen soll, machen die Runde. Davon profitieren Euroskeptiker und Rechtspopulisten, die jetzt mit in der Regierung sitzen. Zum Ministerpräsident wählten die Finnen im Frühjahr Juhä Sipilä von der Zentrumspartei aus der politischen Mitte.

Er hat versprochen, den Haushalt in den Griff zu bekommen, die Bürokratie abzubauen und die Steuern für kleinere Firmen zu senken. Sipilä setzt auf den Unternehmergeist der Finnen. Doch ob das reicht, um die Wirtschaft, die über Jahrzehnte von Nokia mitgetragen wurde, wieder richtig auf Vordermann zu bringen, wird gerade in Salo bezweifelt. „Nicht jeder kann ein Unternehmer sein“, sagt Heidi Kirjavainen.

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