Microsoft will Media Player nicht aus Windows herauslösen
EU-Richter bezweifelt Wirksamkeit der Auflagen gegen Microsoft

Im Verfahren um die EU-Auflagen zum Betriebssystem Windows drängt der Richter beide Seiten offenbar zu neuen außergerichtlichen Gesprächen. Microsoft hält am Media Player in Windows fest.

HB BERLIN. Der Präsident des Europäischen Gerichts Erster Instanz (EuG) in Luxemburg, Bo Vesterdorf, hat am Freitag die Wirksamkeit des EU-Kommissionsbeschlusses gegen den US-Softwarekonzern Microsoft in Zweifel gezogen. Die Kommission hatte angeordnet, Microsoft müsse den Media Player aus dem Betriebssystem Windows herauslösen. «Ist es realistisch, dass diese Lösung einen wirklichen Effekt bringt?» fragte Vesterdorf am zweiten Tag der Verhandlung.

«Ist es nicht etwas dramatisch eine Auflage anzuordnen, deren Ergebnis Sie nicht kennen, bei all den Komplikationen, die sie mit sich bringen wird?» so Vesterdorf weiter. Der Richter hat über eine Eingabe des US-Konzerns zu befinden: Microsoft will die im März verhängten EU-Auflagen bis zu einer Entscheidung im Berufungsverfahren aussetzen.

Die EU wirft Microsoft vor, die Dominanz von Windows im Bereich der Betriebsysteme auch auf den wachsenden Markt für digitale Audio- und Video-Software übertragen zu wollen. Der Anwalt der Kommission, Per Hellström, verteidigte die Auflage bezüglich des Media Player: Zwinge man Microsoft zum Verkauf einer Windows-Version ohne das Programm, werde es Konkurrenten ermöglicht, stärker mit ihrer Medienabspiel-Software auf Rechner zu gelangen.

Microsoft argumentiert wiederum, ohne den Media Player könnten unabhängige Software-Entwickler und Web-Designer nicht mehr das reibungslose Funktionieren ihrer Produkte garantieren. Konzern-Anwalt Jean-Francois Bellis sagte am Freitag, das gegenwärtige Angebot blockiere keineswegs die Entwicklung alternativer Formate, wie der Erfolg des Ipod von Apple belege.

Die Schadensfrage ist für den Prozess von Bedeutung, denn nur wenn Microsoft nachweist, durch die Auflagen nicht wieder gutzumachenden Schaden zu erleiden, könnte der Antrag auf eine Aussetzung der EU-Auflagen zum Erfolg führen. Gerichtspräsident Vesterdorf schien laut Beobachtern am Freitag beide Seiten dazu bewegen wollen, die im Frühjahr vor allem wegen des Media Players abgebrochenen Verhandlungen über eine Einigung wieder aufzunehmen.

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