Microsoft will Yahoo übernehmen
Cowboy gegen Indianer

Ein Zusammenschluss mit einer beamten-ähnlichen Organisation wie Microsoft wäre wohl keine Bereicherung für den Käufer und "das Ende für Yahoo". Das Zitat ist aus dem Vorjahr und stammt von Jerry Yang, dem Vorstandschef und Mitgründer von Yahoo. Kündigt sich so ein Zusammenspiel an, das die Internetwelt erschüttern und den Überflieger Google aus der Umlaufbahn werfen soll?

NEW YORK. Bisher ist Yang der einzig sichtbare Stolperstein, der noch zwischen einer Übernahme von Yahoo durch Microsoft steht. Das 45 Mrd. Dollar schwere Angebot scheint allzu verlockend, Yahoo -Aktionäre sind bereits aus dem Häuschen - und die strategischen Gründe von Microsoft offensichtlich: Um die Dominanz von Google im rasant wachsenden Markt für Internetwerbung zu brechen, gibt es aus Sicht des Software-Riesen nur noch diese eine Chance.

Wäre da nicht Jerry Yang, ein 39-jähriger Milliardär aus der Ideenschmiede Silicon Valley, der sich lange Zeit so gerne "Chief Yahoo" nannte. Bisher hat der Häuptling von 14 300 Indianern alles versucht, die Eigenständigkeit seines Stamms zu sichern und damit die Kultur einer bunten, kreativen Großfamilie im sonnigen Sunnyvale, Kalifornien. Im Vorjahr, als Microsoft -Widersacher Steve Ballmer bei Yahoo anklopfte und der glücklose Vorstandschef Terry Semel sein Amt räumte, kehrte Yang eilig zurück und ließ ausrichten: Nein zu Microsoft, wir packen die Kehrtwende allein! Yang erhielt die Unterstützung des Aufsichtsrats.

Doch sechs Monate später ist nichts passiert, was Yahoo -Aktionäre wirklich überzeugen könnte: US-Medien vermerken als letzte Großtat des leidenschaftlichen Golfers ein "Hole-in-One" an Loch fünf des populären Kurses von Pebble Beach. Die Gewinne des Internet-Pioniers indes schrumpfen, der Abstand zu Google wächst weiter, und Yangs Antworten auf die Misere hinterlassen zahlreiche Analysten (und selbst einige Yahoo -Manager) ratlos. Yangs Depot an Firmenaktien, fast 53 Millionen an der Zahl, war auf dem Höhepunkt des Internet-Booms mal 6,4 Mrd. Dollar schwer. In der Vorwoche rutschte der (Buch-)Wert unter die Marke von zwei Mrd. Dollar. Erst die Microsoft -Offerte hat den gebürtigen Taiwaner - genau wie seinen jungen Mitgründer David Filo - auf dem Papier wieder um rund eine Mrd. Dollar reicher werden lassen. Ein nettes Schmerzensgeld, sagen IT-Experten und läuten mehrheitlich die Abschiedsglocken - für Yahoo wie für Yang: "Es ist vorbei, definitiv", schreibt Kara Swisher im Technologie-Blog "All Things Digital".

Mit einem Zusammenschluss wäre Steve Ballmer nach zähem Ringen am Ziel, obwohl er zu Jerry Yang genauso wenig passt wie die legendär bürokratische Firmenkultur von Microsoft zu der von Yahoo. Mit seiner bulligen Figur und Cowboy-Manieren, die regelmäßig in Verbalattacken gegen starke wie schwache Wettbewerber ausufern, bildet Ballmer, der chronisch aufgeregte Microsoft -Mann, den krassen Gegensatz zu dem leise und bodenständig-bescheiden auftretenden Yahoo -Chef. Yang sei von der Microsoft -Offerte überrascht worden und habe bis zuletzt gehofft, das Unternehmen mit frischen Talenten neu ausrichten zu können, sagte Umesh Ramakrishnan vom Personalvermittler CTPartners dem "Wall Street Journal". Wenn nicht alles täuscht, wird nun Ballmer diese Neuausrichtung übernehmen - aller Voraussicht nach ohne Yang. Cowboy und Indianer, das ist noch nie gut gegangen.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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