Miese Zwischenbilanz
Qimonda zieht Infineon runter

Der Speicherchip-Boom im Gefolge des neuen Microsoft-Betriebssystems Windows Vista ist ausgeblieben. Die Preise für die Bausteine sind sogar rückläufig. Das hat der Hersteller Qimonda deutlich zu spüren bekommen – und mit ihm Mutterkonzern Infineon.

HB MÜNCHEN. Der operative Verlust (Ebit) im dritten Quartal habe 323 Mill. Euro betragen, teilte Qimonda am Dienstagabend nach US-Börsenschluss mit. Analysten hatten im Schnitt mit etwa der Hälfte gerechnet. Im Vorjahresquartal war noch ein Betriebsgewinn von 100 Mill. Euro zu Buche gestanden. Nach einem Umsatzrückgang um rund ein Viertel auf 740 Mill. Euro blieb Qimonda nach Steuern und Zinsen ein Verlust von 218 Mill. Euro.

Die Zahlen dürften auch auf die Bilanz des Mutterkonzerns Infineon durchschlagen, der seine Zahlen am Freitag vorlegen will. Das Münchener Technologieunternehmen war dann auch am Mittwochmorgen größter Verlierer im Dax mit einem Abschlag von 2,1 Prozent. Infineon hatte sein Speicherchip-Geschäft im vergangenen Jahr in Qimonda ausgelagert und die Tochter zum Teil an die Börse gebracht. Damit wollte sich der Konzern vor den großen Schwankungen im Geschäft mit Speicherchips schützen. Verblieben ist Infineon das Geschäft mit so genannten Logikchips, die Steuerungsaufgaben in allen möglichen elektronischen Geräten übernehmen

Neben dem Preisrückgang von DRAM-Chips, die vor allem in Computern als Arbeitsspeicher eingesetzt werden, setzte Qimonda auch der schwache Dollar zu. Verglichen mit dem Vorjahr seien die vertraglich vereinbarten Preise für Standard-DRAMs in PCs um rund 60 Prozent gefallen, erklärte Qimonda-Chef Kin Wah Loh. Der große Boom durch das neue Microsoft-Betriebssystem Windows Vista sei weitgehend ausgeblieben, sagte er. „Wir haben erwartet, dass Vista stärker ist.“ Vista ist deutlich hungriger nach Speicher als der Vorgänger XP, weshalb Branchenkenner einen Boom bei den Speicherchips erwartet hatten.

Übernahmespekulationen

Loh wies aber Spekulationen über eine Übernahme seines Unternehmens zurück. „Ich lese das nur in der Presse. Ich bin nicht persönlich kontaktiert worden“, sagte der Qimonda-Chef. Zuletzt waren Gerüchte aufgekommen, der koreanische Konkurrent Hynix könnte die Mehrheit an Qimonda übernehmen. Infineon hatte nach dem Börsengang seiner Tochter immer wieder betont, sich zügig von der Mehrheit zu trennen. Die Münchener besitzen derzeit noch immer rund 86 Prozent der Qimonda-Aktien. Zur Frage, ob Infineon die Anteilsscheine der Tochter seinen Aktionären möglicherweise als Sachdividende anbieten könnte, wollte sich Loh nicht äußern.

Eine DRAM-Preisprognose für das restliche Jahr wagte Loh trotz zuletzt wieder stabilerer Marktlage nicht. Qimonda rechnet damit, seinen Ausstoß gemessen in Bit im laufenden Quartal um 15 bis 20 Prozent zu steigern. Um die zuletzt sinkende Rendite wieder nach oben zu treiben, kündigte Loh einen strikten Sparkurs an. Die Investitionen im laufenden und kommenden Geschäftsjahr (zum Ende Oktober) würden geringer ausfallen. Qimonda werde auch zunehmend bei den letzten Fertigungsschritten, der so genannten Back-End-Fertigung, auf Partner zurückgreifen. Es gebe allerdings keine Pläne für einen Stellenabbau im eigenen Haus.

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