Milliarden für Softwarehaus
Nokia steigt bei Navteq ein

Der weltgrößte Handy-Hersteller Nokia steigt ins Geschäft mit Navigationssoftware ein und übernimmt den amerikanischen Anbieter Navteq. Damit hat sich das finnische Unternehmen offenbar gegen zwei große US-Konzerne durchgesetzt.

HB HELSINKI. Mit einer der größten Übernahmen seiner Geschichte setzt der Handy-Weltmarktführer verstärkt auf Navigationsdienste in seinen Handys. Der Preis für das US-Unternehmen Navteq belaufe sich auf 8,1 Mrd. Dollar, teilte Nokia am Montag mit. Die Finnen wollen die Übernahme in bar und über Kredite stemmen. Analysten begrüßten die Zukaufpläne, bezeichneten den Preis aber als möglicherweise zu hoch. Dies sahen die Anleger ähnlich: Nokia-Aktien verloren im Nachmittagshandel rund 2,4 Prozent.

Nokia erklärte, die Übernahme werde wohl die Ergebnisse im kommenden Jahr und 2009 belasten. Doch im Gegenzug will Nokia sein Angebot mit navigationsfähigen Handys ausweiten. Bis Ende 2008 werde das Unternehmen eine zweistellige Zahl entsprechender Modelle anbieten. Derzeit führt Nokia erst drei Handy-Modelle mit integriertem GPS.

Navteq mit Sitz in Chicago ist einer der weltgrößten Anbieter von elektronischen Landkarten, die vor allem für Navigationssysteme in Autos verwendet werden. Sie können aber auch in Handys und anderen mobilen Geräten verwendet werden. Das Unternehmen ist in 30 Ländern aktiv und hat 3000 Beschäftigte. Das gegenwärtige Landkarten-Datengeschäft von Navteq solle operativ unabhängig betrieben werden, doch werde es organisatorisch in den Nokia-Konzern eingegliedert. Die Navteq-Aktionäre und Aufsichtsbehörden müssen noch ihre Zustimmung geben.

Nokia bemüht sich angesichts eines relativ ausgereizten Handymarktes, neue Einnahmefelder zu erschließen. Da kommt die schnell wachsende Navigationsbranche Experten zufolge gerade recht. „Der Kauf von Navteq würde zu Nokias Plänen passen“, sagte der OKO-Nank-Analyst Hannu Rauhala. Die Position von Navteq im boomenden Markt mit Navigationstechnologie sei ziemlich stark.

Nokia hatte zuletzt eine gut gefüllte Kriegskasse von über 8,3 Milliarden, war aber vor größeren Übernahmen zurückgeschreckt. Vergangenes Jahr hatte der finnische Konzern mit dem Kauf der deutschen Software-Firma Gate5 indes den Einstieg in die Navi-Branche gewagt. Gate5 greift auf Kartendaten von Navteq und dessen einzigem bedeutsamen Rivalen Tele Atlas zurück.

Seit der niederländische Navigationsgeräte-Hersteller TomTom Kaufpläne für die auf digitale Landkarten spezialisierte Tele Atlas enthüllt hat, war mit einer Navteq-Übernahme gerechnet worden. Als mögliche Bieter waren zuletzt auch die Internet- und Softwarekonzerne Google und Microsoft gehandelt worden.

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