Milliardendeal Google übernimmt Smartphone-Experten von HTC

Google bekräftigt seine Absichten im Smartphone-Geschäft: Der Internet-Konzern übernimmt einen Teil der Mitarbeiter von HTC. Der Branchenpionier aus Taiwan bekommt dadurch dringend benötigten finanziellen Spielraum.
Update: 21.09.2017 - 12:06 Uhr Kommentieren
Google übernimmt Smartphone-Experten von HTC Quelle: AP
Google übernimmt Smartphone-Experten von HTC

Google-Vize Rick Osterloh und Cher Wang von HTC besiegeln den Deal mit einem Handschlag.

(Foto: AP)

Mountain View/TaipeiGoogle holt sich in einem 1,1 Milliarden Dollar schweren Deal Experten vom schwächelnden Smartphone-Anbieter HTC und untermauert damit seine Ambitionen im Hardware-Geschäft. HTC steigt damit entgegen einiger vorheriger Spekulationen nicht aus dem Smartphone-Geschäft aus, sondern betonte, dass das nächste Top-Modell in Arbeit sei. Auch an der zweiten Säule des Geschäfts, der Brille Vive zur Darstellung virtueller Realität, hält HTC fest.

Mit den wechselnden HTC-Mitarbeitern habe man bereits bei der Entwicklung der hauseigenen „Pixel“-Smartphones zusammengearbeitet, erklärte Googles Hardware-Chef Rick Osterloh in einem Blogeintrag in der Nacht zum Donnerstag. Anfang Oktober werden neue „Pixel“-Modelle erwartet, von denen zumindest ein Teil wieder von HTC kommen soll.

Die Unternehmen machten keine Angaben dazu, wie viele HTC-Mitarbeiter zu Google gehen. Der „New York Times“ und der „Financial Times“ zufolge sind es rund 2000. Die Entwicklungsabteilung von HTC dürfte sich damit halbiert haben.

Google betonte zuletzt immer wieder, der Konzern meine es ernst mit dem eigenen Hardware-Geschäft. Neben Smartphones gehört zum Angebot auch der smarte Lautsprecher Google Home, von dem es demnächst laut Gerüchten eine kleinere Version geben soll.

Was Google Neues plant
Künstliche Intelligenz I
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KI soll künftig im Mittelpunkt aller Google-Dienste stehen und den Nutzern das Leben leichter machen. So kann zum Beispiel das neue Angebot „Google Lens“ Objekte vor der Smartphone-Kamera erkennen – egal, ob es sich um eine Pflanze oder ein Gebäude handelt.

Künstliche Intelligenz II
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Für Kurzmitteilungen gibt es eine Echtzeit-Übersetzung in andere Sprachen. Der Google-Assistent im Lautsprecher „Home“ erkennt Nutzer an der Stimme und sucht für die Person passende Informationen heraus.

Der Google-Assistent
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Der Google-Assistent kommt als eigenständige App auf das iPhone. Damit fordert Google Apples Assistenz-Software Siri direkt auf der heimischen Plattform heraus.

VR-Brille
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Eine vollwertige VR-Brille wird es jetzt auch von Google geben. Anfangs setzte der Internet-Konzern voll auf die einfachere Lösung, ein Smartphone in ein Gehäuse mit Linse zu stecken. Jetzt wird gemeinsam mit Lenovo und HTC ein technisch anspruchsvolleres Modell mit eigenem Bildschirm entwickelt.

VR-Brille
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Das System wird nicht so leistungsfähig wie eine Oculus-Brille von Facebook sein, benötigt dafür aber auch keinen teuren PC.

Augmented Reality
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Erweiterte Realität wird zum Beispiel helfen, das richtige Regal im Supermarkt zu finden – und zwar indem die Marschrichtung in das Kamerabild auf dem Smartphone-Display eingeblendet wird.

Android O
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Android O bekommt als diesjährige Version des meistbenutzten Smartphone-Betriebssystems unter anderem ausgeklügeltere Benachrichtigungen und einen Bild-in-Bild-Modus, wie man ihm vom Fernseher kennt.

Zugleich muss der Konzern aufpassen, nicht die vielen Hersteller von Geräten mit seinem Mobil-System Android zu verärgern. Die Hardware-Sparte sei deshalb innerhalb von Google von der Android-Entwicklung isoliert und werde genauso wie andere Hersteller behandelt, heißt es. Das „Pixel“ war allerdings im vergangenen Jahr zunächst das einzige Telefon mit dem neuen Google-Assistenten, mit dem sich der Nutzer unterhalten kann.

Als Teil der Vereinbarung bekommt Google auch eine Lizenz auf HTC-Patente. Google hatte einst auf dem Höhepunkt des Patentstreits der Android-Welt mit Apple im Jahr 2012 den amerikanischen Handy-Pionier Motorola für 12,5 Milliarden Dollar gekauft. Keine zwei Jahre später wurde Motorola für 2,9 Milliarden Dollar an den chinesischen PC-Hersteller Lenovo weitergereicht, Google behielt aber einen Großteil der Patente. Wegen Motorola soll es unter anderem Spannungen mit Samsung gegeben haben, weil der Smartphone-Marktführer über die Konkurrenz durch den Android-Entwickler Google unglücklich gewesen sei.

HTC gehörte zu den Pionieren im Smartphone-Markt. Zuletzt sanken die Marktanteile der Firma aber drastisch unter dem Druck chinesischer Rivalen wie Huawei, ZTE oder Xiaomi sowie des Marktführers Samsung bei teuren Modellen. Auch neue Modelle wie das Anfang 2017 vorgestellte „U Ultra“, das sich mit Hilfe künstlicher Intelligenz an die Gewohnheiten des Nutzer anpassen soll, konnten den Absatz nicht nennenswert ankurbeln. Der Anteil von HTC am Smartphone-Markt ist laut Branchenbeobachter unter ein Prozent gerutscht.

Das brachte HTC zuletzt immer wieder rote Zahlen ein. In den vergangenen Monaten wurde deshalb bereits mehrfach spekuliert, HTC könnte den Smartphone-Bereich abspalten – oder aber auch sein VR-Geschäft. Denn während die Entwicklung der hochgerüsteten Vive-Brille massive Investitionen erforderte, blieb virtuelle Realität bisher trotz großer Erwartungen ein Nischengeschäft. Der Milliardendeal mit Google gibt HTC nun mehr finanziellen Spielraum, um beide Geschäftsbereiche fortzuführen.

Google sichere mit dem Deal die Zukunft seiner „Pixel“-Baureihe ab, „wenn man davon ausgeht, dass HTC nicht viel länger hätte eigenständig weitermachen können“, sagte Branchenanalystin Carolina Milanesi von Creative Strategies der „Financial Times“.

  • dpa
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