Milliardenübernahme
SAP schnappt sich Konkurrenten Ariba

Europas größter Software-Hersteller SAP hält für seine Aktionäre auf der Hauptversammlung eine Überraschung bereit: einen Milliardenkauf. Doch in einer ersten Reaktion zeigen sich die Anteilseigner wenig begeistert.
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BerlinDer ewige Kampf zwischen den beiden Unternehmenssoftware-Riesen SAP und Oracle geht in eine neue Runde: Die Deutschen schlagen im Stammland von Oracle-Chef Larry Ellison zu und wollen den Cloud-Spezialisten Ariba kaufen. Je Aktie sollen 45,00 US-Dollar fließen. Das entspricht einem Unternehmenswert von rund 4,3 Milliarden Dollar (3,3 Mrd Euro).

Ariba hat den Unternehmenssitz im kalifornischen Sunnyvale und beschäftigt rund 2.600 Mitarbeiter. Das Unternehmen ist SAP zufolge gemessen am Umsatz, der zweitgrößte Cloud-Anbieter weltweit. Das Unternehmen verfügt über eine branchenweit führende Technologie und eine große internetbasierte Handelsplattform, die Unternehmen dabei unterstützt, ein globales Partnernetzwerk in der Datenwolke aufzubauen und miteinander zu kooperieren. Im Geschäftsjahr 2011 stieg der Umsatz des Unternehmens um 40 Prozent auf 444 Millionen US-Dollar (knapp 350 Millionen Euro).

Ariba bietet Handelsnetzwerke in der sogenannten Cloud an. Gemeint ist damit, dass Programme und Daten auf großen Servern im Internet lagern statt auf vielen einzelnen Rechnern. „Das zusätzliche Angebot von Ariba schafft das Geschäftsnetzwerk der Zukunft“, erklärten die beiden SAP-Chefs Bill McDermott und Jim Hagemann Snabe am späten Dienstag. An diesem Mittwoch ist die Hauptversammlung von SAP in Mannheim. Laut einer Studie wird sich das weltweite Umsatzvolumen mit Cloud-Lösungen von 21,5 Milliarden Dollar 2010 bis zum Jahr 2015 auf rund 73 Milliarden Dollar mehr als verdreifachen.

Ariba-Chef Bob Calderoni sagte: "Indem wir unser offenes globales Netzwerk mit den Lösungen und Analytics-Werkzeugen von SAP verbinden, gehen wir in eine neue Ära der Business-to-Business-Zusammenarbeit und erreichen eine vorher nicht dagewesene Produktivität." Der CEO soll den Angaben zufolge nach Abschluss der Transaktion in den SAP-Vorstand berufen werden. Ariba soll eine eigenständige Geschäftseinheit mit dem Namen "Ariba, ein Unternehmen der SAP" fortgeführt werden.

Der größte europäische Softwarehersteller SAP ist allerdings unsicher, ob die Offerte ein Gegenangebot eines Konkurrenten provoziert. "Das weiß man nie", sagte Co-Vorstandschef Bill McDermott am Mittwoch vor der Hauptversammlung in Mannheim. "Ich denke aber, wir haben einen fairen Preis geboten", fügte der Manager hinzu.

Aus der Übernahme von Ariba, einer weltweiten elektronischen Beschaffungsplattform für Unternehmen, ergebe sich eine "einzigartige Kombination", da SAP nahezu 200.000 Geschäftskunden zähle. Daraus ergebe sich eine "hohe Eintrittsbarriere" für Konkurrenten, die ebenfalls in diesen Markt strebten. Zusammen könnten SAP und Ariba beispielsweise die Beschaffung und den Vertrieb ihrer Kunden automatisieren, mit der Datenanalyse-Software Hana ließen sich zudem große Datenbestände schnell durchsuchen. Künftig könnten die Transaktionen auch auf mobilen Computern und Smartphones abgewickelt werden.

SAP ist Marktführer bei Software, mit der Unternehmen etwa ihre Buchhaltung erledigen. Jedoch drängt sich schon seit Jahren die amerikanische Oracle mit milliardenschweren Zukäufen in das Feld. Oracle seinerseits ist die Nummer eins bei den Datenbank-Programmen. Beide Unternehmen liegen im Dauerclinch.

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  • Ich las letztens einen Artikel, in dem stand, dass SAP Ariba kaufen wolle. Als Argument für den Kauf wurde angeführt, dass deutsche Entwickler zu "gründlich" wären, und somit zu teuer.

    Bananensoftware können die Amis besser.

  • Schade. Mal wieder 4,3 Milliarden nach usa verschenkt. Statt selbst was zu entwickeln. Ariba dürfte sich nach spätestens 1 Jahr als wertlos herausstellen; dafür gibt es genügend Beispiele.

  • Wenn die Cloud Übernahme in Richtung dem Virtualisierungs Trend von einst dedizierten Systemen abziehlt wäre VMWare eine besser Übernahme gewesen.

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