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Minderheitsaktionäre wollen bei Cesky Telekom aussteigen

KPN und Swisscom bieten 27 % des tschechischen Mobilfunkunternehmens zum Kauf an.

rev BUDAPEST. Die niederländische KPN und die Swisscom AG wollen ihre Beteiligung an der Cesky Telecom AS verkaufen. Die beiden Unternehmen halten über das Joint Venture Tel-Source 27 % an dem tschechischen Telekommunikations-Unternehmen. Wie ein von Tel-Source beauftragtes Beratungsunternehmen am Dienstag mitteilte, soll zunächst die Zustimmung der Aktionäre zum Verkauf der Beteiligung eingeholt werden. Im Anschluss seien Roadshows geplant. Credit Suisse First Boston und Morgan Stanley sollten die Transaktion begleiten, dabei sollen sowohl institutionelle Investoren, als auch Kleinanleger angesprochen werden. Nach dieser Ankündigung sank der Aktienkurs der Cesky Telecom an der Prager Börse um 15 %.

Internationale Beobachter fragen sich allerdings, wer denn überhaupt an einem Minderheitsanteil an einer Telekomgesellschaft interessiert sein könnte, die noch zu 51 % dem Staat gehört. Im Umfeld des tschechischen Telekomministers Vladimir Mlynar ist denn auch zu hören, dass die Regierung eher am Verkauf eines Mehrheitspakets an einen strategischen Investor interessiert sei. Allerdings war schon im vergangenen Jahr der Versuch gescheitert, das 51 % Paket an ein Konsortium aus Deutscher Bank und Tele-Danmark zum Preis von 1,82 Mrd. Euro zu verkaufen. Die Übernahme scheiterte an der Weigerung von Tel Source, seinen 27 %-Anteil ebenfalls an das deutsch-dänische Konsortium zu veräußern, was aber die tschechische Regierung zur Bedingung gemacht hatte.

Der Verkauf des Minderheitspaketes passt dennoch in die Landschaft. Übernahmemöglichkeiten für die Großen der Branche bieten sich auch noch in anderen Ländern Mittel- und Osteuropas. So läuft in Serbien gerade der Wettbewerb zum Verkauf der Mobilfunkgesellschaft Mobtel, um die sich Anbieter aus Großbritannien, den USA, Kanada, Griechenland und Österreich bewerben. Auch das Rennen um den bulgarischen Festnetzanbieter BTK ist noch offen. Doch die meisten Telekomgesellschaften der Region sind allerdings bereits privatisiert und zum Teil mehrheitlich von westlichen Anbietern übernommen worden.

Große Entwicklungschancen ergeben sich vor allem auf dem Mobilfunkmarkt. Das zeigt allein schon die Situation in Polen, wo erst 36 % der Bürger ein Handy nutzen. Die jetzt der Deutschen Telekom zu 100% gehörenden Polska Telefonia Cyfrowa (PTC) als Marktführer bedient zur Zeit 5,6 Mill. Kunden bei einer Gesamtbevölkerung von fast 40 Mill. Allerdings stellt sich die Situation gerade im Mobilfunk sehr unterschiedlich dar. Am schnellsten hat sich der Markt in Tschechien entwickelt, wo die Handy-Dichte inzwischen bei 87 % liegt. Länder wie Ungarn, Slowenien und die Slowakei kommen auf Werte zwischen 64 und 72 %, das baltische Estland auf 54 %. Nachzügler sind unter anderem Rumänien, Kroatien und Russland, deren Durchdringung mit Mobiltelefonen zwischen 15 und 40 % beträgt.

Auch wenn der Mobilfunk die Festnetztelefone in den meisten Ländern der Region schon weit überrundet hat, bedeutet das nicht, dass der Markt für terrestrische Systeme völlig ausgeschöpft sei. Das zeigt schon der Blick auf die Dichte der Festnetzanschlüsse, die etwa in Polen erst bei 31 % liegt, während Ungarn auf 35,8 % und das fortgeschrittenere Slowenien auf 41 % kommen. Die großen Anbieter werben auch deshalb für Festnetzgeräte, weil diese einen schnelleren Internetzugang ermöglichen.

Zukunftsträchtig sind schließlich die bislang erst wenig entwickelten Internetmärkte der Region. So nutzen in Tschechien ganze 16 % der Bürger einen PC, um damit ins Internet zu gehen. In Ungarn sind es nur 5 %, in Rumänien 3 %. Allerdings reichen die niedrigen Einkommen vieler Menschen gerade auch in den EU-Beitrittsländer Mittel- und Osteuropas noch nicht aus, um sich privat einen internetfähigen Computer leisten zu können. Deshalb gehen die Anstrengungen der Regierungen in Prag, Budapest und Warschau dahin, das Computerangebot in öffentlichen Einrichtungen wie Schulen zu erhöhen und auch den privaten Erwerb von PCs durch Steuererleichterungen zu fördern.

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