Mischt SAP mit?
Smartphone-Daten werden zu Milliardenmarkt

Bewegungsprofile in Echtzeit sammeln und auswerten: die Nachfrage für solche umstrittenen Analysen ist hoch. Immer mehr Konzerne treten in diese lukrativen Märkte ein – angeblich auch SAP. Doch der Konzern dementiert.
  • 1

DüsseldorfDas auf Verkehr spezialisierte Beratungsunternehmen Fehr & Peers untersuchte im letzten Jahr Pendlerströme im US-Bundesstaat Kalifornien. Eine traditionelle Postkartenaktion mit 5300 Fragebögen brachte einen Rücklauf von nicht mehr als 300 Stück. Versuchsweise wurden für den gleichen Zeitraum Handydaten über die Mobilfunknetze eingeholt und heraus kamen Bewegungsprofile von insgesamt 76.500 Nutzern.

Fehr nutzte für diesen Test die Dienstleistung des Start-Up-Unternehmens AirSage Inc. aus Atlanta. Die Mobilfunkdaten wurden nahezu in Echtzeit gesammelt. Dieser erfolgreiche Test führte zu fünf Anschlussaufträgen für AirSage von Fehr in diesem Jahr.

“Unsere Datenbasis hat sich um das Tausendfache verbreitert”, stellte Mike Wallace von Fehr in einem Gespräch mit Bloomberg News fest, “und der Preis ist durchaus vergleichbar geblieben. In Zukunft werden wir die traditionelle Methode weniger anwenden”.

Und die Nachfrage für solche ausgewerteten Daten ist hoch - etwa bei Stadtplanern, Einzelhändlern und im Marketing. Immer mehr Unternehmen treten in diese lukrativen Märkte ein - neben AirSage, auch ComScore Inc. und, seit 21. Mai, angeblich auch die deutsche SAP AG. Sie alle nutzen Rohdaten von Mobilfunkbetreibern wie Verizon Wireless, analysieren die Informationen und erstellen daraus verkäufliche Studien. Das Geschäft entwickelt sich sehr lukrativ: bei AirSage steigt der Umsatz Angaben des Unternehmens zufolge im jedem Quartal um 25 Prozent.

Auf Nachfrage bei dem Walldorfer Konzern SAP dementiert ein Sprecher den Verkauf von Studien. „Wir verkaufen Software, die solche Daten auswerten und Trends erstellen kann, aber das nutzen wir selber nicht“. Bewegungsprofile von Handynutzern zu analysieren sei kein Geschäftsmodell von SAP. „Das können und wollen wir auch nicht“, so ein Sprecher gegenüber Handelsblatt Online.

Eins ist dabei jedoch klar: Die Suchanfragen der Kunden kann SAP nicht beeinflussen. Was die Software an Ergebnissen ausspuckt, dagegen schon. Bei allen Anfragen stelle man sicher, dass der Datenschutz stets gewährleistet sei, stellt ein Sprecher klar: „Egal welche Suchanfrage der Kunde stellt.“

Die Praxis ist auch in den USA bei Datenschützern umstritten und die Regierung erwägt derzeit strengere Auflagen. Andererseits gilt gerade den Mobilfunkbetreibern diese Datensammlung als willkommene Umsatzquelle. Die Erträge aus der klassischen Sprachtelefonie sinken weiter und auch das Wachstum der Neuverträge hat sich zuletzt abgeschwächt.

Die Datensammlung von Smartphone-Nutzern ist bereits gängige Praxis. Gesammelt werden Daten zum Standort, zur Nutzung von Apps und dem mobilen Internet. Mit den Daten können sich die Anbieter besser auf das Nutzungsaufkommen vorbereiten und den Datenverkehr besser steuern. Zwei Anbieter in den USA, Verizon Wireless und Sprint Nextel Corp., haben gerade mit dem Verkauf solcher Daten an Drittanbieter begonnen und hoffen auf Millionenumsätze.

Seite 1:

Smartphone-Daten werden zu Milliardenmarkt

Seite 2:

Milliardenmarkt und neue Umsatzquellen

Kommentare zu " Mischt SAP mit?: Smartphone-Daten werden zu Milliardenmarkt"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • "Auf Nachfrage bei dem Walldorfer Konzern SAP dementiert ein Sprecher den Verkauf von Studien. „Wir verkaufen Software, die solche Daten auswerten und Trends erstellen kann, aber das nutzen wir selber nicht“"

    Eine Aussage wie von der US-Waffenlobby :-) Aber ist auch egal, wenn die es nicht machen, dann machen es halt andere.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%