Missbrauchs-Affäre
Ranghohe BBC-Mitarbeiter treten ab

Mehrere Skandale erschüttern die britische Rundfunkgesellschaft. Nach dem Rückzug des BBC-Chefs George Entwistle lassen nun die Nachrichtenchefin und ihr Stellvertreter wegen einer Missbrauchs-Affäre ihre Ämter ruhen.
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LondonIm Zuge der Ermittlungen wegen sexuellen Missbrauchs durch einen BBC-Moderator sind bei der britischen Rundfunkgesellschaft Berichten zufolge zwei weitere ranghohe Mitarbeiter zurückgetreten. Nachrichtenchefin Helen Boaden und ihr Stellvertreter Stephen Mitchell seien zurückgetreten, berichteten die Sender BBC News und Sky News am Montag. Am Samstagabend war bereits BBC-Chef George Entwistle zurückgetreten. Anderen Berichten zufolge lassen Boaden und Mitchell lediglich ihre Ämter ruhen.

Schon im Oktober hatte die BBC einräumen müssen, dass ihr früherer Kinderprogramm-Moderator Jimmy Savile Kinder missbraucht hatte. Savile ist vergangenes Jahr gestorben, war aber offensichtlich bis nach seinem Tod durch die BBC gedeckt worden. Der Fall hatte für viele Schlagzeilen gesorgt, die Polizei ermittelt.

Zudem erschütterte zuletzt ein weiterer Skandal den Sender. In der BBC-Sendung "Newsnight" hatte ein mutmaßliches Opfer von Kindesmissbrauch angegeben, es sei von einem bekannten Mitglied der konservativen Partei missbraucht worden. Zwar wurde der Name des Politikers in dem Beitrag, der sich um mutmaßliche Missbrauchsfälle in Wales in den 1970er und 1980er Jahren drehte, nicht genannt. Im Internet kursierten aber später Gerüchte, die sich auf einen bestimmten Politiker konzentrierten.

Dieser wies den Vorwurf am Freitag entschieden zurück und drohte mit einer Klage. Der in "Newsnight" zitierte Zeuge räumte daraufhin ein, dass er sich bei der Identität seines Peinigers geirrt habe und entschuldigte sich wie auch die BBC bei dem Politiker.

Nach dem Rücktritt des Chefs steht die BBC vor einer grundlegenden Reform. „Es bedarf einer sorgfältigen, radikalen, strukturellen Überarbeitung“, sagte Chris Patten, Präsident des BBC Trust, am Sonntag. Der BBC Trust ist ein übergeordnetes Gremium, vergleichbar mit einem deutschen Rundfunkrat.

Doch auch Patten steht in der Kritik. Der konservative Parlamentsabgeordnete Philip Davies forderte den Rücktritt des Rundfunkrat-Chefs. Er sei unhaltbar geworden. Davies übte Kritik an Plänen, dem zurückgetretenen Entwistle eine Abfindung von 450.000 Pfund (563.000 Euro) zu zahlen.

 
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
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dapd 
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  • Seit dieser Sache in Gleiwice, Polen damals, gilt der deutsche Rundfunk als der wahrheitsliebendste von allen!

  • Recherecharbeit für Hobybjournalisten!

    Wie wäre es mal mit einem Check inwieweit der massiv geschädigte Markenname AOL durch die Urheberrechts SONY/BMG-Klagen gegen die eigene Kundschaft (NAPSTER usw.) inzwischen durch facebook ersetzt ist und facebook sich in statt in Streu- in Konzernbesitz befindet.

  • Der BBC vertritt den Anspruch so gut dies geht die Wahrheit zu verbreiten. Das ist meines Erachtens ein sehr hehres und wünschenswertes Ziel. Damit können Falschnachrichten Rücktritte auslösen. Viele andere Staatsmedien wie das Deutsche Propagandafernsehen und sogar das Schweizer Fernsehen vertreten nicht den Anspruch.

    Ein Beispiel waren die Reaktorunfälle von Fukushima wo die Britischen Medien ziemlich realitätstreu berichtet haben. In der Konsequenz blieb die Britische Zustimmung zum Bau neuer, umweltfreundlicher Kernkraftwerke unverändert. Das Deutsche Staatsfernsehen hatte, wie die anderen Deutschen Medien auch, sehr phantasievoll berichtet. Nach den britischen Massstäben hätte in Deutschland eine Journalistengeneration gehen müssen.

    Vandale

    Vandale

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