Mit Consulting und Kostenvorteilen will der IT-Dienstleister in die Weltspitze aufsteigen
Teil 2: Infosys attackiert IBM und Accenture

Infosys-Chef Nandan Nilekani hat eine klare Vorstellung von der Zukunft der IT-Industrie, und sein Konzern spielt darin eine Schlüsselrolle. „Die Branche steckt in einem fundamentalen Umbruch“, sagt er. „Daraus erwachsen neue Marktführer, und wir wollen dazuzählen.“

BANGALORE. Triebkraft der Umwälzung ist Offshoring – die Verlagerung von Arbeit in Niedriglohnländer. Firmen wie Infosys und ihre schärfsten heimischen Rivalen TCS und Wipro haben diesen Trend zuerst konsequent genutzt und damit eine neue Front der Globalisierung eröffnet. Die IT-Dienstleister entwickeln Software für Kunden aus dem Westen, verwalten Datenbanken, warten Computersysteme, übernehmen Büroarbeiten und bieten zunehmend Ingenieurdienste an.

Der Kostendruck durch die neuen Konkurrenten zwingt Konzerne wie IBM oder Accenture dazu, ihre Entwicklungskapazitäten in Indien stark auszubauen. Analysten sehen das als mögliche Bedrohung für Infosys. Doch Nilekani wiegelt ab: „Es reicht nicht, Entwickler in Indien einzustellen. Es geht doch nicht nur um Löhne.“ Westliche Firmen müssten ihre Organisationen völlig umkrempeln, um Offshoring effizient zu integrieren. Das führe zu großen inneren Verwerfungen und dauere lange. „Accenture oder IBM können uns keine Konkurrenz machen, unser Geschäftsmodell ist ihrem fundamental überlegen“, sagt er. „Der IT-Dienstleister der Zukunft muss Entwicklung in Niedriglohnländern mit weltweitem Vertrieb und Consulting verbinden.“ Eben wie Infosys.

Das Unternehmen: Infosys ist Indiens zweitgrößter IT-Dienstleister nach TCS, setzt aber ständig neue Meilensteine. So führte Infosys Mitarbeiteraktien in Indien ein und notierte als erstes Unternehmen des Landes an der Nasdaq. Kein indisches Unternehmen konnte 2004 seinen Aktienwert stärker steigern. „Asiamoney“ verlieh ihm 2005 den Preis für die beste Corporate Governance in Asien. Als Ikone eines „neuen Indiens“ hat es Anteil am Imagewandel des Landes – weg von Gurus, Slums und Kamasutra zur aufstrebenden Technologienation, die dem Westen Arbeitsplätze streitig macht und dort die Löhne deckelt.

Starke Sprüche kann sich der Manager leisten, solange sein Unternehmen so atemberaubend schnell wächst und mit einer Nettogewinnmarge von 27 Prozent Indiens profitabelster IT-Dienstleister ist. 1999 betrug der Umsatz 129 Mill. Dollar – 2004 lag er bei 1,6 Mrd. Dollar, ein Plus von 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. IBM schaffte nur acht Prozent Wachstum.

Aber noch ist Infosys ein Zwerg im Vergleich zu seinen US-Wettbewerbern. Diese werfen jahrzehntealte Kundenbeziehungen, starke Marken, Branchen-Know-how und bewährtes Consulting in die Waagschale. Genau da startet Nilekani seine Aufholjagd. Er hat eine teure und riskante Offensive ins Beratungsgeschäft gestartet. Sie soll Infosys auf Augenhöhe mit Firmen wie Accenture und EDS bringen. Analysten halten diesen Vorstoß in ein unbekanntes Geschäft für die größte Herausforderung indischer IT-Firmen auf dem Weg zu globalen Größen. Aber Nilekani sieht keine Alternative zur Einstellung Hunderter teurer Berater: „Unsere Kunden fordern komplette Endlösungen, dazu müssen wir ihr Geschäft verstehen.“ Ohne Consulting sei dies unmöglich.

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