Mit iPhone und Apple Watch
Apple setzt aufs Bezahlen mit Aha-Effekt

Apple will das iPhone zum Portemonnaie-Ersatz machen: Das System Pay erledigt die Bezahlung im Geschäft binnen Sekunden. Damit könnte der Konzern die Banken aufmischen – wenn er die Sicherheit in den Griff bekommt.
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DüsseldorfSelbst zur Stoßzeit geht es schnell: Die Verkäufer scannen die Produkte ein und packen sie in Tüten, die Käufer halten nebenbei ihr Handy an die Kasse, drücken aufs Knöpfchen – und haben schon bezahlt. Die Rabattpunkte landen gleich auf der digitalen Kundenkarte, auch die Quittung wandert ins digitale Portemonnaie. Und wieder raus auf die Straße oder ins Einkaufszentrum.

Es ist die Vision vieler Unternehmen in Technologie, Mobilfunk und Finanzen: Das Smartphone soll zur Geldbörse werden. Doch die Realität sieht anders aus, die meisten Käufer zücken im Geschäft weiter die Karte oder Bares. Das will Apple nun ändern: Der iPhone-Hersteller hat gestern neben neuen Geräten auch das Bezahlsystem Apple Pay vorgestellt. Dank seiner Marktmacht könnte er dem digitalen Portemonnaie zum Durchbruch verhelfen. „Die Apple-Nutzer sind entscheidend, weil sie kaufkräftig, neugierig und innovativ sind“, sagt der Unternehmensberater Thomas Lerner, der sich auf mobile Bezahlsysteme spezialisiert hat.

Der Konzern aus Kalifornien will mit Apple Pay zweierlei erreichen. Zum einen liefert er einen weiteren Grund, sich ein iPhone zu kaufen. Zum anderen verdient er vermutlich an den Gebühren mit, auch wenn bei der großen Inszenierung niemand über solche Details reden wollte.

Die Technik im Hintergrund ist nicht neu. IT-Konzerne wie Google, Mobilfunkanbieter wie Telekom und Vodafone, aber auch Kreditkartenfirmen wie Mastercard und Visa bieten längst solche Systeme an, bislang indes mit wenig Erfolg. „Das Bezahlen bereitet uns keine Probleme – Bargeld und Karten funktionieren“, sagt Achim Himmelreich, Partner bei der Beratungsgesellschaft Mücke, Sturm & Company. Bei den bisher verfügbaren Smartphone-Bezahlsysteme fehle der „Aha-Effekt“.

Dafür will nun Apple sorgen. Mit der digitalen Geldbörse müssen Käufer das neue iPhone nur an die Kasse halten und die Zahlung per Fingerabdruck auf dem Sensor des Smartphones bestätigen – ohne Wechselgeld, ohne Unterschrift, alles innerhalb weniger Sekunden. Die Daten übertragt das Gerät über die Nahfunktechnik NFC. Auch für Online-Einkäufe eignet sich das System: Andere Apps können den Bezahldienst einbinden. Der in Deutschland umstrittene Fahrdienst Uber bietet diese Funktion etwa an, ebenso die Handelskette Target.

Das Smartphone könnte noch mehr erledigen. Die Anwendung Passbook, in der die Kreditkarte virtuell abgelegt ist, verwaltet auch Rabatt- und Kundenkarten, auf denen beispielsweise die Punkte beim Bezahlen gleich gutgeschrieben werden können. Möglich wäre es auch, dass Geschäfte ein Rabattangebot aufs Handy schicken, während ein Verbraucher durch die Auslagen streift. Oder eine Zugangskarte fürs Hotelzimmer abzuspeichern. „Damit Mobile Payment sich durchsetzt, braucht es neben der Bezahlung einen weiteren Nutzen“, betont Himmelrat. Apple kann ihn liefern.

Kommentare zu " Mit iPhone und Apple Watch: Apple setzt aufs Bezahlen mit Aha-Effekt"

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  • @Herr Omarius M.:

    Zu meinem Kommentar vom 10.09. möchte ich unbedingt anmerken, dass ich diesen etwas unreflektiert aus einer (ziemlich schrottigen) Laune heraus geschrieben habe.

    Deshalb hier nachträglich noch ein Hinweis dazu: Zwar finde ich Ihre Einstellung grundsätzlich voll in Ordnung, aber leider auch etwas weltfremd, weil jedes Unternehmen, das nicht nur über ein gerüttelt Maß an Realitätssinn verfügt und sich nicht optimal an das gegebene wirtschaftliche Umfeld anpasst über wohl über kurz oder lang untergehen wird. Jedes Unternehmen wird also versuchen, soviel Geld wie irgend möglich im Unternehmen zu belassen, und dazu gehört natürlich auch das Steuersparen (das dadurch im Unternehmen verbleibende Geld ist noch lange kein „privater“ Gewinn!).

    Im Klartext:
    In dieser Hinsicht ist nicht das Verhalten von Apple (oder das aller anderen Firmen) das Problem, sondern eher die Tatsache, dass solche Steuersparkonstrukte überhaupt möglich sind (und deshalb natürlich auch genutzt werden)!

  • @Herr Andreas Zenner:

    Sie hatten wohl noch nie Kontakt mit dem Finanzamt. Sie können sich gar nicht vorstellen, was die alles überprüfen - und das auch für geringere Beträge!

    Es gibt z.B. derzeit mehrere Hunderttausend(!) Kontenabfragen durch die Finanzämter pro Jahr. Dort sehen die dann ganz einfach und ganz genau wann sie was und wo bezahlt haben.

    Viel Spass mit dem Großen Bruder!

  • Also ob der Bundesnachrichtendienst jetzt Rückschlüsse ziehen kann/will ob Person A,B,C
    in irgendeinem PUB war und dadurch mehr oder weniger Kilometer gefahren wurden bleibt doch eher ein Gehirngespinst der Facebooknutzer die gerade dabei sind sie letzten Partybilder hochzuladen.
    Das damit großflächig Handels und Haushaltspaneles generiert werden dem stimme ich doch zu 100 % zu. Und diese Daten sind wirklich Geld wert !
    auf der anderen Seite wäre ich nicht mal abgeneigt allein um den Banken in die Suppe zu spucken !

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