Mit neuem 64-bit-Prozessor rechnet sich der Chip-Hersteller gute Chancen nach der Krise aus
Das Stehaufmännchen AMD

„AMD ergreift die Gelegenheit, sich an die Spitze der Halbleiter-Industrie zu setzen. Und trotz einer brutalen Weltwirtschaft war 2002 ein Jahr, in dem wir an mehreren Fronten beschleunigt in Richtung Führungsposition voran gekommen sind.“

FRANKFURT. Mit so markigen Worten beginnt ein Geschäftsbericht, in dem Advanced Micro Devices (AMD) Inc. einen Umsatzrückgang um 31 % auf 2,7 (3,9) Mrd. $ und einen Nettoverlust von 1,3 Mrd. (61 Mill.) $ für 2002 bekannt gibt.

Der Aktienkurs spiegelt den Niedergang eines Unternehmens, das jeden Dollar Umsatz im vergangenen Jahr mit fast 50 Cent Verlust bezahlt hat, gnadenlos wider: Im Herbst 2000, auf dem Höhepunkt des Chip-Booms, hatte er sich der 45-Dollar-Marke genähert, im Oktober 2002 war er auf 3,10 $ gesunken. Nach einem Quartalsbericht, der „nur“ noch 22,5 Cent Verlust je Umsatz-Dollar und ansonsten bessere Aussichten meldet, stieg der Kurs jetzt auf mehr als 7,30 $.

Kein Zweifel: Der ewige Zweite im Markt der PC-Prozessoren hinter Primus Intel kämpft wieder einmal ums Überleben. Marktbeobachter sehen die Misere aber gelassen. „Alle paar Jahre ist AMD dem Tode nahe. Und wenn man gerade dabei ist, sie auszuzählen, meldet sich diese mutige Firma lautstark zurück und stiehlt Intel noch ein Stück Marktanteil“, sagt Buchautor Michael Malone.

Auch diesmal ist sich Konzernchef Hector Ruiz sicher, dass er einen fulminanten Trumpf im Ärmel hat: den neuen 64-bit-Prozessor „Opteron“, der die aktuelle Generation der 32-bit-Rechnerhirne ablösen soll. Sein Vorteil gegenüber dem Konkurrenzprodukt „Itanium“ von Intel: Der Opteron verarbeitet auch Software auf 32-bit-Basis. Das heißt, wer einen PC mit Opteron-Kern kauft, muss nicht seine gesamte Software erneuern. Von diesem Vorteil erhofft sich Ruiz neue Marktanteile sogar im sonst Intel-gläubigen US-Markt. Die Umsätze in Europa (946 Mill. $) und in Asien (970 Mill. $) lagen deutlich über dem Geschäft im Heimatmarkt.

Bisher setzt AMD offenbar gezielt auf die Märkte außerhalb der USA. Darauf deutet auch die Verteilung des Anlagevermögens hin. 1,02 Mrd. $ liegen im Stammland USA, wo die Anlagen weitgehend abgeschrieben sein dürften – AMD ist schon seit 1969 im Geschäft. 305 Mill. $ verteilen sich auf Montage- und Testfabriken in Asien. Der größte Brocken – 1,55 Mrd. $ – steckt in Deutschland, fast ausschließlich in Dresden.

Dort hat AMD seit 1998 ein Entwicklungszentrum und eine Chip- Fabrik errichtet. Konzernchef Ruiz schwärmt: „Unsere Investition in Dresden ist ein phänomenaler Erfolg. Die Fabrik hat die höchste Produktivität, die eine AMD-Fabrik je hatte. Und sie liefert eine herausragende Produktqualität.“ Der Opteron wird fürs erste allerdings aus den USA kommen.

Unterdessen kämpft das Top-Management um das Wohlwollen der Investoren. Am 5. Juni versuchten Finanzchef Bob Rivet und Strategie-Vorstand Tom Eby, wichtige US-Investmentbanker von den Überlebenschancen des Konzerns zu überzeugen. Sie berichteten beide von den Fortschritten der Sanierung.

Voller Elan erzählten sie von geringeren Lagerbeständen ihrer Distributoren, von 402 Mill. $, die eine Wandelschuldverschreibung in die Kasse gespült hatte, vom Kostensenkungsprogramm mit einem Quartalseffekt von wenigstens 100 Mill. $ und von der Umschuldung des Kredits für die Chipfabrik in Dresden, die die Ausgaben 2003 um 180 Mill. $ verringern soll. Nicht zuletzt konnten sie den Abbau der Belegschaft von 14 400 auf 12 100 Mitarbeiter binnen eines Jahres vermelden.

Schließlich kündigten sie die „Phase 2“ des Sanierungsplans an, die Flexibilisierung: Der Fixkostenanteil solle von 80 % auf 70 % sinken und damit das Unternehmen anpassungsfähiger an die ausgeprägten Branchenzyklen machen.

Vorerst aber können sie nur hoffen, dass auch die PC-Konjunktur – die das zweite Quartal verhagelte – endlich anzieht und dass der Opteron wirklich den ersehnten Erfolg bringt. Neue Verluste kann sich der Konzern nicht mehr lange leisten.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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