Mit neuen Geräten gegen Apple und Co.
MP3-Pionier Rio will wieder mitmischen

Nach wechselvoller Geschichte will Rio Audio, Pionier bei MP3-Spielern, wieder ganz vorne mitmischen. Mittlerweile gehört die Marke zur japanischen D&M-Holding, bekannt für Hi-Fi-Marken wie Marantz und Denon. Seit Anfang 2004 ist Rio wieder in Europa tätig.

DÜSSELDORF. Der ab September erhältliche Festplattenspieler Rio Carbon mit fünf Gigabyte Speichervolumen soll nach dem Willen von Rio-Europachef Clive Hudson noch dieses Jahr einen Marktanteil bei den Festplatten-Playern von acht bis neun Prozent erreichen, später soll der Anteil auf bis zu 15 Prozent steigen. Das sagte Hudson dem Handelsblatt. Er räumt ein: „Der Wettbewerb wird unglaublich hart werden.“

Laut IDC werden in Europa dieses Jahr rund 2,5 Millionen Festplattenspieler abgesetzt werden. Marktführer ist Apple mit den Modellen Ipod und Ipod Mini. Starke Wettbewerber sind Firmen wie Creative und Philips. Walkman-Erfinder Sony beginnt im Oktober mit dem Verkauf eines ersten Modells.

In Großbritannien will Rio mit dem Discounter Dixons zusammenarbeiten, in Deutschland mit Ketten wie Mediamarkt und Pro Markt. Hudson: „Der MP3-Markt wird zum Massenmarkt. Deshalb müssen wir in den klassischen Handel, wo Firmen wie Philips schon sind.“

Ob Hudson Erfolg haben wird, hängt maßgeblich davon ab, ob er die verblasste Marken-Legende Rio wieder zum Leben erwecken kann. Diamond Multimedia hatte 1998 mit dem Rio 300 den ersten kommerziellen MP3-Portable vorgestellt, damals mit 32 MB Speicher und im Format einer Audio-Kassette. Mit dem Boom von Napster und MP3 wurde der Rio-Player schnell zum Synonym für MP3 schlechthin. Doch der finanzielle Erfolg bleib aus, das Unternehmen wurde vom kalifornischen Grafikchip- Hersteller S3 übernommen, der im März 2003 Insolvenz anmeldete.

Heute hat Apple die Position von Rio übernommen, und ironischerweise ist auch ein alter Bekannter jetzt scharfer Konkurrent: Der koreanische Hersteller I-River hatte bis 2002 die Geräte für Rio – auch den legendären Rio 300 – gebaut und stand nach dessen Aus plötzlich ohne Aufträge da. Quasi aus der Not wurde I-River dann als eigene Marke weltweit aufgebaut. 2003 wurden alleine in Europa rund 25 Mill. Dollar mit MP3-Playern umgesetzt, 2004 sollen es nach Angaben eines I-River-Sprechers bereits 75 Mill. Dollar sein. Bei Festplatten-Spielern liegen die Koreaner, die gerade ein neues Werk in China hochziehen, nach eigenen Angaben mit über 13 000 Stück in den Monaten Mai und Juni auf Platz drei in Deutschland.

Für die japanische D&M ist das Engagement in Rio strategisch von großer Bedeutung. Das Unternehmen kämpft mit weltweit sinkenden Umsätzen bei klassischen Hi-Fi-Bausteinen. In Deutschland etwa brach 2003 das Segment Hi-Fi um rund elf Prozent auf 1,094 Mrd. Euro ein. Ein Plus von 720 Prozent auf 870 000 Geräte und ein Umsatzplus von über 400 Prozent auf 108 Mill. Euro bei MP3-Playern (gemeint sind hier alle MP3-Player, also mit Festplatte, CD-Laufwerk oder Flash- Speicher) konnten die Verluste in den anderen Segmenten wie Hi-Fi- und Mini- Anlagen nicht wettmachen.

Die D&M Holdings verzeichneten im abgelaufenen Finanzjahr (zum 31. März 2004) bei einem Umsatz von rund 87,4 Mrd. Yen (0,64 Mrd. Euro) einen Nettoverlust von 276 Mill. Yen. Für das laufende Jahr wird der Umsatz bei 89,6 Mrd. Yen und der Nettogewinn bei 2,2 Mrd. Yen erwartet. Als Hoffnungsträger gelten Home-Cinema – und MP3.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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