Mitarbeiter befürchten finanzielle Aushöhlung
Mobilcom-Investor TPG schielt auf millionenschwere Dividende

Der amerikanische Finanzinvestor Texas Pacific Group gerät bei der Mobilcom AG immer stärker in Verruf. Die Mitarbeiter befürchten, dass der Großaktionär den zweitgrößten deutschen Serviceprovider durch eine Sonderausschüttung in dreistelliger Millionenhöhe finanziell aushöhlen will.

HAMBURG. „Wir wollen nicht hinnehmen, dass Texas Pacific das Unternehmen durch eine Sonderausschüttung ausbluten lässt“, sagt der Mannheimer Rechtsanwalt Christof Hettich dem Handelsblatt. Hettich vertritt rund 300 Mobilcom-Mitarbeiter. Sie wollen eine Anfechtungsklage anstrengen, falls der US-Investor und der designierte Vorstandsvorsitzende Eckhard Spoerr nicht vertraglich auf eine Sonderausschüttung verzichten.

Wie das Handelsblatt aus Unternehmenskreisen von Mobilcom erfuhr, dringt der US-Finanzinvestor TPG aber auf eine Dividende von acht bis zehn Euro je Aktie. Damit würde der Konzern zwischen 770 und 960 Mill. Euro ausschütten. Die Büdelsdorfer Gesellschaft verfügt aber lediglich über Barmittel von rund 370 Mill. Euro und müsste folglich Fremdmittel aufnehmen. Texas Pacific hält seit Anfang des Jahres 27 Prozent an Mobilcom.

Möglich würde eine Sonderausschüttung durch die Fusion von Mobilcom mit der Hamburger Internettochter Freenet. „Die im Rahmen der Verschmelzung geplante Aufdeckung stiller Reserven wird, wie im Verschmelzungsbericht erläutert, voraussichtlich ein Volumen von 800 Mill. bis eine Mrd. Euro haben“, sagte eine Freenet-Sprecherin zum Handelsblatt. Das entspreche umgerechnet acht bis zehn Euro pro Aktie, habe aber noch nichts mit einer Dividendenentscheidung zu tun. Am 23. August entscheiden die Aktionäre von Mobilcom auf einer außerordentlichen Hauptversammlung, ob sie der geplanten Fusion mit Freenet zustimmen.

Auch Analysten sehen eine Sonderdividende kritisch. „Wenn Mobilcom zehn Euro ausschüttet, dann wäre das Konzerneigenkapital negativ. Das legt nahe, dass die Gesellschaft nicht mehr als acht Euro zahlen kann. In diesem Fall wäre Mobilcom 2006 mit netto rund 260 Mill. Euro verschuldet“, rechnet Frank Rothauge, Analyst bei der Kölner Privatbank, vor. „Mobilcom hätte keinen Spielraum für größere Zukäufe mehr.“

Andrew Dechet, der für die Beteiligung von Mobilcom bei Texas Pacific verantwortlich ist, versucht die Wogen zu glätten. „Ich würde zum jetzigen Zeitpunkt eine Ausschüttung von fünf bis zehn Euro nicht befürworten“, sagte Dechet dem Handelsblatt. Dennoch kann sich der TPG-Manager vorstellen, dass die vorhandenen Finanzmittel an die Aktionäre ausgezahlt werden. „Wenn der Vorstand in der Zukunft meint, dass es keine geeigneten Akquisitionsziele gibt, dann wäre es möglich, dass eine Ausschüttung von nicht benötigten Barmitteln an die Aktionäre sinnvoll ist“, sagt Dechet. Ob die Gesellschaft dafür auch Kredite aufnehmen sollte, ließ er offen.

Die Freenet-Sprecherin erklärte auf Anfrage zudem, über Dividenden sei nicht diskutiert worden und dies sei auch nicht Gegenstand der kommenden Hauptversammlungen.

TPG gerät unter Druck

Finanzinvestor: Die amerikanische Private-Equity-Fonds Texas Pacific Group (TPG) hält 27 Prozent an der Mobilcom AG. Dieser Anteil sinkt nach der Fusion mit der Tochter Freenet auf 18 Prozent. TPG ist zudem in Deutschland an Grohe beteiligt.

Portfolio: Der Finanzinvestor wurde 1993 gegründet. Er ist weltweit an mehr als 35 Firmen beteiligt, die jährlich insgesamt 57 Mrd. Dollar umsetzen. In Großbritannien hält TPG Anteile am Catering-Unternehmen Gate Gourmet. Das war jüngst in die Schlagzeilen geraten. Grund: Die Mitarbeiter hatten – unterstützt von British-Airways-Beschäftigten – gegen einen Stellenabbau protestiert, was den Verkehr der britischen Fluglinie lahm legte.

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