MMO2-Kauf wohl vom Tisch
KPN startet Milliarden-Rückkaufprogramm

Der niederländische Telekomkonzern KPN will mehr eigene Aktien zurückkaufen, als bislang von Analysten erwartet. Da damit nahezu alle im laufenden Jahr anfallenden freien Mittel des Unternehmens fest verplant sind, wird eine erneute Übernahmeofferte für den Konkurrenten MMO2 immer unwahrscheinlicher.

HB AMSTERDAM. KPN teilte am Montag in Amsterdam mit, zusätzlich zu dem bereits geplanten Rückkauf eigener Aktien in Höhe von 500 Mill. € sollten noch einmal Aktien im Volumen von einer Milliarde Euro sowie Anleihen zurück erworben werden. Damit beabsichtigt KPN nun insgesamt 9,9 % des eigenen Kapitals zurückzukaufen. KPN-Aktien reagierten in Amsterdam mit einem Kursaufschlag von rund vier Prozent.

Der zum Jahresende ausscheidende KPN-Finanzchef Maarten Henderson sagte, das an die Aktionäre zurückgegebene Kapital werde nahezu dem gesamten zu erwartenden Free Cash-Flow (Kapitalmittelüberschuss) des Unternehmens in diesem Jahr entsprechen. Eine neue Offerte zur Übernahme des Mobilfunkanbieters MMO2 bezeichnete er als „abseitig“.

KPN war im Frühjahr mit einem Übernahmeangebot an den in Großbritannien, Deutschland und Irland tätigen Mobilfunkkonzern gescheitert. MMO2 hatte die in der Branche auf 9,3 Mrd. Pfund geschätzte Offerte als zu niedrig abgelehnt.

KPN ist in den Niederlanden Marktführer für Festnetztelefonie und Mobilfunk, in Deutschland und Belgien werden Mobilfunknetze betrieben. In Deutschland konkurrieren die Mobilfunktöchter von KPN, E-Plus, und von MMO2, O2, um die wenigen Kunden, die nicht von den Marktführern T-Mobile und Vodafone bedient werden. Eine Zusammenlegung der Deutschland-Aktivitäten würde einen schlagkräftigeren dritten Anbieter schaffen und Investitionskosten sparen.

Analysten halten ein Zusammengehen von KPN und MMO2 nun für unwahrscheinlich. „Anscheinend sind die Differenzen in Fragen der Kommunikation, der Strukturen und der personellen Führung real“, sagte Analyst Fanos Hira von der Investmentbank Bear Stearns. „Und die Wahrscheinlichkeit von höheren Cash-Rückflüssen bei KPN ist größer als ein neuerliches Angebot für MMO2.“ KPN-Chef Ad Scheepbouwer hatte Anfang Juni im Reuters-Interview zu den anhaltenden Übernahme-Spekulationen gesagt: „Wir glauben nicht, dass es jemals geschehen wird.“ Es sei möglich, dass Deutschland als größter Mobilfunkmarkt in Europa Platz für vier Anbieter biete.

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