Mobiles Bezahlsystem
Google sagt Apple Pay den Kampf an

Google schließt sich mit drei amerikanischen Mobilfunkbetreibern zusammen, um einen Angriff auf Apples iPhone-Zahlungsdienst Apple Pay zu starten. Die Kooperation ist aus der Not heraus entstanden.
  • 0

San FranciscoAuf allen von den amerikanischen Netzwerkbetreibern AT&T, Verizon und T-Mobile vertriebenen Android-Smartphones wird zukünftig die Bezahl-App Google Wallet installiert sein. Das Berühren eines Lesegeräts mit dem Smartphone reicht dann aus, um Einkäufe in Geschäften zu bezahlen. Das Smartphone wird Brieftasche.

Der Internetkonzern Google schließt sich mit den drei amerikanischen Netzwerkbetreibern zusammen, um Apple Pay ernsthaft Konkurrenz zu machen. Über die neue Partnerschaft und ihre Folgen informierte Ariel Bardin, Chef der Payment-Sparte von Google, am Montag in einem Blogeintrag.

Der Webkonzern kauft im Gegenzug zu der Installation der Google-App Technologie und Patente von Softcard, einem Gemeinschaftsunternehmen von AT&T, Verizon und T-Mobile, auf. Softcard sollte eigentlich im Alleingang und mit einer eigenen App den aufstrebenden Markt für die Mobilfunkanbieter erschließen. Der Versuch kann damit als gescheitert angesehen werden.

Es ist eine schräge Partnerschaft: Gemocht haben sich Google und die Mobilfunker nie. Google Wallet gibt es schon seit 2011, aber die Verbreitung hielt sich in Grenzen. Denn Unterstützung gab es bisher nur von Sprint, dem kleinsten der US-Mobilfunkanbieter. Die anderen drei, Verizon, AT&T und T-Mobile setzten alles daran, ihre eigene Bezahl-App – eben durch Softcard - auf dem Markt zu bringen. Ein integriertes Sicherheitselement bei der Google-Lösung, so ihr Argument, bereite Probleme im Netzwerk. Darum wurde Google Wallet zunächst gesperrt.
Doch jetzt geht die Angst um: In nur fünf Monaten krempelte Apple mit Apple Pay den Markt für mobile Bezahlangebote komplett um. Zwei von drei Dollar, die mit Smartphones statt Kreditkarten bezahlt werden, kommen heute über den iPhone-Bezahldienst, stellte Vorstandschef Tim Cook im Januar fest: „Wir sind mehr denn je überzeugt, dass 2015 das Jahr von Apple Pay werden wird“, so Cook.

Den Mobilfunkern in den USA ist offenbar schlagartig klar geworden, wie nahe sie daran sind – wieder einmal – ausgebootet zu werden. Sie haben bereits die Textnachricht SMS an Unternehmen wie WhatsApp verloren. In der Internet-Telefonie dominiert Skype. Der mobile E-Commerce ist ebenfalls an ihnen vorbeigegangen und jetzt ist Apple drauf und dran, den Zahlungsmarkt ohne ihre Beteiligung zu erobern.

Da war es wohl Zeit, die Haltung zu Google zu überdenken. Und auch der Webkonzern war offen für Gespräche. Denn niemand scheint Google wirklich zu mögen, da das Unternehmen mit seinem Zahlungsservice auch Schlüsselwörter für Online-Werbung generieren will. Weder Banken noch Händler wollen freiwillig ihre Daten, und damit das gesamte Folgegeschäft, mit Google teilen. Aber Google kann mit passender Werbung zu gekauften Produkten mehr Geld verdienen als mit ein paar Cent Gebühren pro Transaktion.

Seite 1:

Google sagt Apple Pay den Kampf an

Seite 2:

Tim Cooks verführerisches Versprechen

Kommentare zu " Mobiles Bezahlsystem: Google sagt Apple Pay den Kampf an"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%