Mobilfunk
BenQ unterstützt deutsche Tochter nicht

Der taiwanische Elektronikkonzern BenQ torpediert die Versuche des Managements seiner deutschen Tochter BenQ-Mobile, die Handy-Produktion aufrechtzuerhalten und das Unternehmen so zu retten: Aus China kommen keine Zulieferungen mehr. Kanzlerin Angela Merkel machte unterdessen deutlich, wen sie in der Pflicht sieht.

HB TAIPEH/BERLIN/MÜNCHEN. BenQ-Finanzchef Eric Yu sagte am Dienstag in der taiwanesischen Hauptstadt Taipeh: „Nachdem der Insolvenzantrag gestellt war, mussten wir die Lieferung aus unseren chinesischen Fabriken an unsere deutsche Mobiltelefon-Tochter beenden“. Yu bezifferte die Verluste der früheren Siemens-Sparte auf 840 Millionen Euro während der vergangenen zwölf Monate.

Für die Schwierigkeiten machten Yu und BenQ-Strategiechef Rick Lei ein schlechtes Projektmanagement im Konzern und bei der deutschen Tochter verantwortlich. Dies habe zu einer dreimonatigen Verzögerung bei der Einführung neuer Produkte und damit zu hohen Verlusten geführt. Da beide Seiten keine Lösung für die Schwierigkeiten gefunden hätten, sei der Insolvenzantrag gestellt worden, erklärte Yu. Dadurch sind in Deutschland rund 3 000 Arbeitsplätze in Gefahr. Siemens hatte das defizitäre Geschäft mit Mobiltelefonen im vergangenen Jahr an BenQ verkauft.

Merkel griff die Krise der Handyproduktion beim zentralen Festakt zum Tag der Deutschen Einheit in Kiel auf und wies Siemens auf die Verantwortung für seine früheren Mitarbeiter hin. „Wie aber soll Vertrauen in die soziale Marktwirtschaft entstehen, wenn die praktische Erfahrung manchmal eine andere Sprache spricht? Was sagen wir den Mitarbeitern von BenQ, die so mir nichts dir nichts auf die Straße gesetzt werden sollen?“, fragte die CDU-Vorsitzende in ihrer Rede.

Bayern will Investor finden

Die bayerische Landesregierung kündigte an, sich um einen strategischen Investor für die deutschen BenQ-Werke in Bocholt und Kamp-Lintfort (beide NRW) kümmern zu wollen. Er wolle zusammen mit Siemens einen strategischen Investor finden, der die Produktion in Deutschland fortsetzt, sagte der bayerische Wirtschaftsminister Erwin Huber (CSU) der „Passauer Neuen Presse“.

Huber sagte weiter, der BenQ-Konzern solle in die Pflicht genommen werden. „Wir werden die vertraglichen Verpflichtungen, die BenQ eingegangen ist, genau mit Siemens untersuchen und peinlich darauf achten, dass BenQ alle rechtlichen Verpflichtungen einhält.“ Dazu gehöre auch, von Siemens bereits an BenQ gezahlte Mittel in Deutschland zu halten. „Wir wollen natürlich den taiwanischen Tiger nicht füttern, sondern Arbeitsplätze in Deutschland halten“, sagte der Wirtschaftsminister. Siemens-Chef Klaus Kleinfeld hatte erklärt, von den 413 Millionen Euro, die sein Unternehmen für die Übernahme bezahlen sollte, seien zwei Raten über insgesamt 150 Millionen Euro noch nicht beglichen worden.

Bei der Suche nach einem Investor rechnet die bayerishe Staatsregierung nach den Worten von Ministerpräsident Edmund Stoiber mit Unterstützung von Siemens. „Ich habe den Eindruck gewonnen, dass die Siemens AG zu ihrer Verantwortung für ihre früheren Mitarbeiter steht“, sagte der CSU-Politiker nach einem Gespräch mit Konzernchef Kleinfeld.

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