Mobilfunk in Indien
Vodafone macht Härtetest im Monsun

Der weltgrößte Mobilfunkkonzern Vodafone hat am Dienstag seine Umsatzprognose erneut gesenkt: Um die Gewinnmargen zu sichern, läutet Vodafone einen strikten Sparkurs ein. Indien ist für Mobilfunkbetreiber ein riesiges Labor: Die Konzerne probieren aus, wie sie ihre Kosten senken können. Und dafür ist ihnen jedes Mittel recht. Ideen, die sich dort bewähren, finden ihren Weg auch in andere Länder.

MUMBAI/DELHI. Das soll sie also sein, die indische Zentrale eines Weltkonzerns: ein zweistöckiger Bau, beige und unauffällig. Das Haus steht eingequetscht zwischen Glaspalästen und Baukränen, die neue Bürotürme hochziehen. Das lässt das ohnehin schon kleine Gebäude in dem Viertel "Lower Paral", wo einst Textilfabriken ihren Sitz hatten und sich heute Mumbais Glamour-Industrie angesiedelt hat, noch winziger erscheinen. Fast könnte man die Niederlassung des weltweit größten Mobilfunkkonzerns Vodafone im Herzen von Mumbai übersehen.

Einfach und zweckmäßig geht es auch in dem Gebäude zu: Dicht gedrängt sitzen die Mitarbeiter in Großraumbüros. Jeder hat gerade genug Platz auf seinem Schreibtisch für einen Computer, sein Telefon und einen Schreibblock. Dann fängt schon der Bereich des Nachbarn an. Es gibt kein repräsentatives Foyer, keine großzügigen Besprechungsräume, nicht den Hauch von Luxus.

Dabei ist die indische Tochter das Aushängeschild für Vodafone, das Symbol für den Wandel - dafür, dass die Briten den Sprung von den gesättigten westeuropäischen Industrieländern zu einem der wachstumsstärksten Märkte geschafft haben.

Gleichzeitig steht Indien im globalen Vodafone-Reich aber auch vor allem für eines: "Wir haben hier eine Kultur, die besessen ist von dem Drang, die Kosten zu minimieren", sagt Asim Ghosh, Indien-Chef von Vodafone.

Ghosh und seinen Mitarbeitern ist dafür jedes Mittel recht - ein bescheidenes Bürogebäude genauso wie das Auslagern von zahlreichen Dienstleistungen.

Und einiges von dem, was sich hier bewährt, findet später seinen Weg in andere Länder. Indien - ein Testlabor für die Finanzexperten und Controller der Mobilfunkgesellschaft und in Zeiten der weltweiten Finanzkrise nötiger denn je.

Am heutigen Dienstag legt Vodafone seine Halbjahreszahlen vor. Analysten fürchten, dass die Wirtschaftsflaute auch den Mobilfunkkonzern trifft, Währungen in Schwellenländern wie Indien möglicherweise massiv an Wert verlieren und Vodafone unter Druck setzen, seine Prognosen nach unten zu revidieren. Neue Methoden, dies mit niedrigeren Kosten zu kompensieren, sind dann wohl gefragter denn je.

In Zahlen zusammengefasst sieht der Sparwahn der Vodafone-Tochter in Indien so aus: Jeder Mitarbeiter bedient mehr als doppelt so viele Kunden wie sein deutscher Kollege. Kommen hierzulande auf jeden Beschäftigten 3500 Kunden, sind es in Indien 7800 - und das in einem Land, das sechsmal größer ist als Frankreich und in dem die Menschen 16 verschiedene Sprachen sprechen. Ein Teil der Erklärung für die deutlich höhere Effizienz steckt im Outsourcing. Vodafone kümmert sich in Indien nur noch um das Marketing seiner Mobilfunkdienste, um Finanzen, Strategie und Kundenbeziehung. Alles andere, etwa die Wartung und Pflege des Netztes, hat der Konzern an andere Firmen abgegeben.

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