Mobilfunk-Netz
Telekom plant moderate Investitionen in den USA

Nachdem T-Mobile für mehrere Milliarden Dollar Mobilfunklizenzen in den USA ersteigert hat, beginnt nun der Aufbau des schnellen Netzes. Doch die Investitionen halten sich in Grenzen und liegen weit unter den Erwartungen der meisten Analysten.

NEW YORK. Der Bonner Konzern will in Nordamerika bis Ende 2009 insgesamt rund 2,1 Mrd. Euro für den Aufbau zusätzlicher Kapazitäten seiner Mobilfunktochter T-Mobile USA ausgeben. Dies erklärte Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke in New York. Analysten, hatten für den Netzaufbau vier bis acht Mrd. Euro kalkuliert. Die Telekom will noch in diesem Jahr mit dem Ausbau beginnen.

Nötig wird der nachdem die Telekom vor einigen Wochen neue Mobilfunklizenzen im Wert von 4,2 Mrd. Dollar ( 3,3 Mrd. Euro) ersteigert hatte. Die Deutschen hatten damit auf dem stark wachsenden amerikanischen Mobilfunkmarkt am meisten für zusätzliche Netzkapazitäten geboten. Sie hatten die Lizenzen aber auch am nötigsten: T-Mobile USA ist wegen ihres rasanten Wachstums in den vergangenen Jahren bereits an die Kapazitätsgrenzen ihrer Netze gestoßen. Mit den neuen Lizenzen verdoppelt der Konzern seine Mobilfunkfrequenzen in den 100 wichtigsten nordamerikanischen Märkten.

Ricke bezeichnete die Auktion in New York als „wichtigen Schritt nach vorn. Und zwar nicht nur für die T-Mobile USA, sondern für den gesamten Konzern Deutsche Telekom, der ja gerade aus dem US-Geschäft wichtige Wachstumsimpulse erhält.“ Die gut 3 Mrd. Euro für die Lizenzen werden die Nettoverschuldung der Telekom von derzeit knapp 39 Mrd. Euro erhöhen, sagte Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick in New York am Rande des Telekom-Briefings. Die rund 2 Mrd. für den Netzaufbau in den kommenden drei Jahren will der Konzern aber aus dem Cash-Flow finanzieren. Der soll allein für das kommende Jahr bei etwa 2 Mrd. Euro nach der Dividenden-Ausschüttung liegen. Die Umsatz und Ergebnis-Planung der Telekom für 2006 und 2007 ändere sich durch die Versteigerung nicht, hieß es. Die Telekom hatte ihre Prognosen für das laufende und das kommenden Jahr nach miserablen Geschäftsergebnissen im ersten Halbjahr erst Anfang August drastisch gesenkt.

Telekom will US-Netz für Datendienste aufrüsten

Mit den neuen Frequenzen will T-Mobile USA die Netzabdeckung ausweiten und so neue Kunden gewinnen. Zusätzlich will der Konzern die neuen Kapazitäten aber auch dazu verwenden, das Netz für Datendienste aufzurüsten, die in Deutschland auf dem Übertragungs-Standard UMTS basieren. Bisher war unklar, was die Telekom mit den neuen Lizenzen anfangen wollte. Wegen strenger Auflagen der amerikanischen Regulierungsbehörde durfte der Konzern sich jetzt erstmals zu seinen Plänen äußern.

Der amerikanische Mobilfunkmarkt weist anders als die meisten westeuropäischen Märkte noch hohe Wachstumsraten auf. So haben erst 73 Prozent der Amerikaner ein Handy. In Deutschland gibt es dagegen bereits mehr Mobiltelefone als Einwohner. Die Telekom war in dem schlechten ersten Halbjahr nur noch im Ausland gewachsen – vor allem in den USA. In Deutschland schrumpfte der einstige Monopolist in allen drei Geschäftsbereichen.

Ricke will deshalb die amerikanische Mobilfunktochter deshalb zur größten Geschäftseinheit ausbauen. Im ersten Halbjahr hat T-Mobile USA bereits 22 Prozent zum Umsatz des gesamten Konzerns beigetragen. Die Telekom-Tochter ist in den USA mit einem Marktanteil von 13 Prozent allerdings der kleinste Anbieter unter dem amerikanischen Branchenriesen.

Sandra Louven
Sandra Louven
Handelsblatt / Korrespondentin in Madrid
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