Mobilfunk
Nokia Siemens verliert Großauftrag in Indien

Schwerer Rückschlag für Nokia Siemens Networks: Dem Mobilfunkausrüster ist in Indien ein Milliardenauftrag durch die Lappen gegangen. Im Rechtsstreit um das Vergabeverfahren entschieden die Richter jetzt zugunsten der Konkurrenz. Wert des Auftrags: Rund 4,6 Milliarden Euro. Die Hintergründe.

NEU-DELHI. Der Mobilfunkausrüster Nokia Siemens Networks muss einen hart umkämpften Milliardenauftrag in Indien endgültig an die Konkurrenten Ericsson und Huawei aus China verloren geben. Das oberste Gericht des indischen Bundesstaats Andhra Pradesh wies eine Klage des finnisch-deutschen Unternehmens gegen Indiens staatseigenen Telekomkonzern Bharat Sanchar Nigam Ltd. (BSNL) ab. BSNL habe Nokia Siemens rechtmäßig aus dem Bieterverfahren ausgeschlossen, urteilten die Richter.

Gegenstand des Streits ist ein Auftrag im geschätzten Gesamtwert von 4,6 Mrd. Euro, der das Mobilfunknetz von BSNL um 93 Mio. Anschlüsse erweitern soll. Der indische Staatskonzern hatte ein Gebot von Nokia Siemens im Mai abgelehnt, weil es angeblich die technischen Anforderungen nicht erfülle. Ein Sprecher von Nokia Siemens sagte, diese Begründung sei rufschädigend und nicht nachvollziehbar. Sie sei nie im Detail erläutert worden.

Das nun vorliegende Urteil ist ein schwerer Rückschlag für den finnisch-deutschen Mobilfunkausrüster. Es handelt sich um einen der größten Aufträge weltweit, noch dazu auf dem am schnellsten wachsenden Mobilfunkmarkt. Erst im Mai hatte sich Nokia Siemens zuversichtlich geäußert, zumindest für Teile des Auftrags den Zuschlag zu erhalten. Indien spielt eine zentrale Rolle für das Unternehmen. Es beliefert die privaten Marktführer Bharti Airtel und Reliance Communications. Auch mit BSNL ist man seit 1992 im Geschäft. Hinter vorgehaltener Hand äußern Vertreter von Siemens Nokia den Verdacht, BSNL könnte den Auftrag gezielt auf Wettbewerber zugeschnitten haben. Bei BSNL war niemand für eine Stellungnahme zu den Vorwürfen erreichbar.

Es sei noch nicht entschieden, ob Nokia Siemens in Berufung gehe, sagte ein Unternehmenssprecher. Möglich wäre dies in letzter Instanz vor Indiens oberstem Gerichtshof. Doch die Chancen, auf diesem Weg doch noch den Auftrag zu erhalten, stehen schlecht. Denn auch ein Ausschuss der obersten indischen Antikorruptionsbehörde Central Vigilance Commission kommt zu dem Ergebnis, dass es bei der Vergabe keine Unregelmäßigkeiten gegeben habe. Neben Nokia Siemens schieden auch die Wettbewerber Alcatel-Lucent, Nortel und der chinesische Ausrüster ZTE aus "technischen Gründen" aus.

Gewinner ist der schwedische Ericsson-Konzern, der nun das BSNL-Netzes im Norden und Osten Indiens ausbauen soll. Für Südindien qualifizierte sich Huawei. Die Endverhandlungen mit diesen Unternehmen würden unmittelbar beginnen, zitierte die indische "Economic Times" einen namentlich nicht genannten BSNL-Manager.

Für den Ausbau in Westindien gilt der staatseigene indische Ausrüster ITI als Favorit. BSNL will mit der riesigen Netzinvestition seinen Rückstand gegen die privaten Anbieter Bharti/Airtel und Reliance Communications aufholen. Der staatliche Telekomkonzern fiel in den vergangenen Jahren in Indien auf Platz drei, maßgeblich weil sein Mobilfunknetz die Kapazitätsgrenze erreicht hat und der Ausbau stockt.

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